Faszination Flughafen – der Ort der echten Emotionen

Ich habe eine Schwäche für Flughäfen. Denn sie sind wie eine große Tube voller Emotionen: So viele Menschen, die sich wiedersehen oder verlassen auf einem Haufen. Wunderschön und echt!

Mit großen, erwartungsvollen Augen laufen Menschen in die großen Eingangshallen. Bei der „Ankunft“ fallen sich Leute, die sich potentiell ewig nicht gesehen und ganz bestimmt sehr vermisst haben in die Arme. Beim „Abflug“ schauen sich Paare tief in die Augen und schwören auf die ewige Liebe, bevor einer durch die Schranke verschwindet. Eine Träne im Augenwinkel, weil die Angst eben doch da ist, dass der andere untreu sein könnte oder einen auf die Distanz vergisst. Was, wenn das gerade der letzte Kuss war?

Am Flughafen knubbeln sich Emotionen

Ich liebe Flughäfen! Ich habe das Gefühl an jedem Flughafen knubbeln sich die schönsten und tiefsten menschlichen Emotionen. Vielleicht weil beim Abschied oder beim Wiedersehen sogar Menschen, die sonst als unemotional gelten auf einmal Leuchten in den Augen haben und zeigen was in ihnen steckt. Vielleicht auch weil ich am Flughafen immer dieses Gefühl von „alles ist möglich“ habe. Allein diese riesige Anzeigetafel im Eingangsbereich: Kuala Lumpur, Hong Kong, Buenos Aires, Los Angeles. – In den nächsten Stunden könntest du einfach überall hinfliegen. Theoretisch.

Und einige Menschen um dich herum werden genau diese Flieger nehmen. Die einen werden Urlaub machen, andere haben ein wichtiges Business Meeting und wieder andere reisen zu ihren Liebsten: Zum Freund nach Kolumbien oder zur Familie nach China. Sie gehen dahin, wo sie lieben und geliebt werden. Der Flughafen ist der Ort, wo sie aufbrechen oder ankommen.

Abreise am Flughafen Frankfurt

Am Flughafen leuchten die Augen

Ihr kennt vielleicht diese zauberhafte Schlussszene aus dem Film „Love Actually“, diesem tollen romantischen Weihnachtsfilm mit Hugh Grant, Keira Knightley und Heike Makatsch. (Übrigens einer der Filme, die ich jedes Jahr gucken muss vor Weihnachten.) Die Geschichten aus dem Film enden alle am Flughafen in London – natürlich damit, dass sich Menschen in die Arme fallen, dass Augen beim Wiedersehen leuchten und damit dass geknutscht wird. Ich liebe es. Und das ist genau das was ich meine.

Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude

Stell zwei Liebende an den Abschiedspunkt, wo der der abreist zum Gate muss und der andere darf nicht mit. Furchtbar und schön gleichzeitig. Sie halten sich in den Armen, küssen sich so intensiv wie nie zuvor um dem anderen zu zeigen, dass man ihn neineinein auf keinen Fall vergessen wird. Mindestens einer weint und dann – auf einmal – geht einer. Wie in einer schlechten Soap! Und das passiert jeden Tag überall auf der Welt an ganz vielen verschiedenen Flughäfen. Wahnsinn! Es wirkt wie kitschig erfunden, inszeniert und doch ist es die echteste Emotion überhaupt.

Ich gebe zu ich selbst bin mir in solchen Situationen schon vorgekommen wie in einer Soap. Allerdings hat keiner gerufen: „Klappe – wir haben alles. Ihr düft doch zusammen bleiben.“ Hinterher wurde es nur schlimmer. Mit Trauerkloß im Hals und der ewigen Frage: Sehen wir uns wieder? Vielleicht?

Es ist natürlich nicht immer zu einem Wiedersehen gekommen. Und trotzdem: Immer wenn ich an einem Flughafen bin, plane ich extra viel Zeit ein, um Menschen zu beobachten und rumzulaufen. Selbst in Transit-Bereichen kannst du eine geniale Zeit haben.

Ganz viel Liebe am Flughafen

In Atlanta lohnt sich ein Zwischenstopp

In Atlanta hatte ich bei einer Zwischenlandung zum Beispiel einmal 9 Stunden Zeit. Ich habe die verschiedenen Gates erkundet. Und habe unter anderem rausgefunden, wo ein Flügel steht, auf dem jeder dahergelaufene spielen kann. Für ein paar Stunden habe ich daneben gesessen und mich gewundert: Es kamen erstaunlich viele Könner vorbei, die große und emotionale Melodien gespielt haben. Bei Sonnenuntergang saß ich an einem dieser typischen Fenster, von denen aus du auf die Flugzeuge auf der Landebahn schauen kannst. Und ich habe mir vorgestellt was all diese Menschen in diesen Flugzeugen vor haben.

Flughafen Singapur: Ein Erlebnispark

Richtig umgehauen hat mich aber der Flughafen Singapur. Wahnsinnig groß, du kannst kilometerweit laufen und findest immer wieder etwas neues: Erst waren wir ein paar Stunden im Swimmingpool – einen besseren Ort für eine Zwischenlandung gibt es definitiv nicht, denn da kannst du dir die ganze Anspannung aus dem Körper schwimmen. Danach sind wir an den Kinos vorbeigeschlendert.

Du kannst dir dort den ganzen Tag über Filme in Dauerschleife anschauen. Wenn dir dann aber doch eher nach Natur ist, gehst du einfach in den Schmetterlingsgarten. Und danach auf einen der vielen Massagesessel. Die waren mein zweites persönliches Highlight. Dieser Flughafen erinnert irgendwie an einen Erlebnispark – und es ist ja auch einer! Ein Ort mit unendlich vielen Möglichkeiten. Auch hier reisen viele Verliebte auf dem Weg zum Freund oder zur Freundin lang – mit großer Vorfreude im Bauch. Oder mit Abschiedsschmerz im Herzen, weil es wieder zurück geht.

Jetzt wisst ihr es: Mein Herz gehört den Flughäfen dieser Welt. Das ist der Grund, warum ich gerne Flüge mit langen Zwischenlandungen buche. Ich bin süchtig nach den Extremen und nach Emotionen – und nichts macht mich glücklicher als das echte, tiefe Lachen in den Augen von Menschen, die jemanden wiedersehen, den sie vermisst haben. Das Glitzern in den Augen. Das Leben.

Valparaiso

Lanzarote: Die perfekte Insel für alleinreisende intermediate Surfer

Wenn ich auf das Jahr 2018 zurückblicke, hat sich viel getan: Das waren gleich drei Reisen allein in diesem Jahr. Der Mann muss arbeiten und ich habe Geschmack daran gefunden, zu Reisen und unterwegs zu arbeiten. Und bevor der Winter sich mit seiner Dunkelheit um mich legt, will ich schnell noch einmal Sonne tanken! Die Reise geht nach Lanzarote: Auf der kanarischen Insel wird es Ende November noch 22 Grad warm und es gibt dort einen berühmten Surfstrand in Famara: Perfekt!

Im Flieger frage ich mich, warum ich schon wieder unterwegs bin. Und höre die Stimmen aus der Kindheit: „Es reicht nie… immer muss es mehr sein.“ Und ich muss sagen: Beim Reisen ist es wirklich so. Sobald ich von einem Trip zurückkehre, steht die nächste Reise eigentlich schon. „Und das ist völlig ok so,“ beschließe ich.

Als das Flugzeug auf der Startbahn beschleunigt, sitzt mir die Flugangst wieder im Nacken. Und eine Träne kullert über meine Wange. Die alte Dame neben mir bemerkt das. Sie nimmt einfach meine Hand und sagt leise: „Ich hoffe das ist ok.“ Ich bin unglaublich gerührt von diesem Moment und dankbar zugleich. Es sind die kleinen Begegnungen, die das Leben bunter machen. Da war wieder eine: Schön und besonders.

Caleta de Famara Lanzarote

Lanzarote: Außergewöhnliche Landschaft

Nach ein paar Stunden beginnt der Landeanflug auf Lanzarote. Und schon von oben verschlägt mir der Anblick der Insel den Atem. Wunderschön: Palmen, grüne, schwarze und dunkelrote Hügel: Wie eine Fantasiewelt erhebt sich die Insel aus dem Meer.

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs – genau wie die anderen Kanaren auch. Und sie sind alle komplett verschieden: Gran Canaria, Teneriffa, Fuerteventura… keine Insel gleicht der anderen.

Forscher gehen davon aus, dass als erste Insel der Kanaren Fuerteventura entstanden ist: Vor 20 Millionen Jahren. Und Lanzarote daneben vor 15,5 Millionen Jahren. Damals hat sich die Insel aus dem Meer erhoben. Und ihr Gesicht hat sich in den vielen folgenden Jahren verändert – auch durch die Vulkanausbrüche, die das Erscheinungsbild Lanzarotes prägen.

So etwas habe ich noch nie gesehen.

Als ich aus dem Flugzeug steige, habe ich einen Flashback in die Kindheit: Die warme Meeresluft strömt mir entgegen und füllt mein Herz mit Glück. Genau wie damals… als wir vor Weihnachten 1994 in Teneriffa aus dem Flugzeug gestiegen sind. Wunderschön!

Lanzarote Arrecife Strand Playa

Arrecife

Die ersten Tage verbringe ich in einem Airbnb in Arrecife: ein einfaches, weiß gestrichenes Haus in einer Wohngegend. Es gehört Alex und sie hat dort eine kleine Oase für junge Reisende und Backpacker eingerichtet. Ich fühle mich wie mit Anfang 20 in meinem WG-Zimmer in Valparaiso.

Das Haus ist bunt eingerichtet, es gibt mindestens drei Katzen und eine Dachterrasse. Und in der Gemeinschaftsküche lernt man Backpacker aus aller Welt kennen.

Es gibt Frühstück und Kaffee für alle. Und wer mag, kann sich am Tisch mit Alex und den Mitbewohnern unterhalten. Denn einige wohnen hier auch ganz normal zur Miete. Nach stundenlangen Gesprächen über das Leben und die Kanarischen Inseln mache ich einen Spaziergang durch die Stadt. Es regnet zwar immer wieder zwischendurch, aber ich passe eine Regenpause ab und laufe los. Und nach 15 Minuten stehe ich am Meer.

Arrecife Lanzarote Playa Strand Kanarische Inseln

Arrecife ist eine Stadt, die man gut zu Fuß erkunden kann. Und das liebe ich sehr.

Es ist keine dieser schmucken Angeberstädte, die du auf jede Postkarte drucken kannst. Die Stadt ist aus einem kleinen Fischerdorf zu einer Stadt gewachsen. Und das kann man ihr ansehen. Das größte Gebäude ist das riesige Gran Hotel am Meer, das man von weitem sehen kann. In den 90er Jahren ist es abgebrannt – inzwischen aber wieder renoviert und eröffnet worden.

Ich genieße den ausgiebigen Spaziergang am Meer entlang und treffe dabei viele Canarios, die mit ihren Hunden spazieren gehen, joggen oder einfach auf einer Bank sitzen und aufs Meer schauen. Das ist das ganz normale Leben am Ozean. Das liebe ich sehr.

Lanzarote Kanarische Inseln
Arrecife am Abend

Nationalpark Timanfaya

Schon im Flugzeug hat meine zauberhafte Sitznachbarin mir von dem Nationalpark vorgeschwärmt. Eigentlich wollte ich keine Touren machen, da ich mir alleine diesmal kein Auto mieten wollte. Mir war eher nach: Sitzen und aufs Meer schauen. Aber dann dachte ich: Wer weiß wann und ob ich nochmal herkomme. Und habe mir im Internet die „kurze Südtour“ zum Nationalpark gebucht.

Am nächsten Morgen sammelt mich ein Touristenbus ein. Und wir klappern die All-Inclusive-Orte am Meer ab, um weitere Touris einzusammeln. Die Hotelkomplexe sehen alle gleich aus: Wie überall auf der Welt. Nach einer Stunde geht es in Richtung Timanfaya. Unser Guide erklärt uns, dass der Pfarrer von Yaiza im Jahr 1730 die Vulkanausbrüche gesehen und seine Eindrücke aufgeschrieben hat: Er erzählt von Erde, die plötzlich aufbricht, Hügel, die neu entstehen und Lava, die ganze Dörfer zerstört.

Nationalpark Timanfaya Lanzarote

Mondlandschaft auf Lanzarote

Wir fahren durch eine Landschaft, die mich an die Atacamawüste in Chile erinnert: Felsen, die aussehen, als hätte sie sich jemand ausgedacht – für eine Filmkulisse oder einen Roman.

Wir halten am Besucherzentrum des Parks. Hier darf man nicht mit dem eigenen Auto durchfahren. Nur autorisierte Busse dürfen den Nationalpark besuchen. Alle anderen müssen vorher parken und umsteigen.

Es beginnt zu regnen und ich bin froh, dass ich schon in einem Bus sitze und mich nun um nichts weiter kümmern muss.

Im strömenden Regen führen uns Mitarbeiter des Parks vor, wie heiß die Erde ist. Und zeigen uns, dass Heu unter der Erde anfangen kann zu brennen. Wäre ich nicht klatschnass bis auf die Knochen, hätte mich dieses Schauspiel wohl mehr beeindruckt.

Danach fährt unser Busfahrer durch den Park. Die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Schwarze Felsen, rote Hügel und Schluchten. Und man selbst mitten drin.

Der Nachteil der Tour: Sie macht danach noch Halt bei einem Weingut. Klingt eigentlich nach meinem Geschmack. Aber das hier ist leider Massenabfertigung hoch zehn. Jeder bekommt einen Fingerhut Wein eingeschenkt, der so bitter schmeckt, dass ich (als bekennende Weinliebhaberin) ihn nicht runterbekomme. Und dann geht es rein in den Shop. Ich ziehe mich in den Bus zurück und freue mich auf die Weiterfahrt.

Leider konnte ich durch die beschlagenen Scheiben keine schönen Fotos machen. Aber fest steht: Ein Besuch des Nationalparks lohnt sich auf jeden Fall!

Caleta de Famara

Caleta de Famara – Surfers Paradise

Einmal umsteigen in Costa Teguise und der Bus fährt schnell rüber in Richtung Caleta de Famara. Vor Jahren hatte ich über diesen Ort gelesen und dachte mir damals schon: Da muss ich hin!

Vorbei an Palmen und grünen Wiesen schlängelt sich der Bus an die  Küste hinunter. Ich fühle mich wie ein Kind an Weihnachten, das endlich sein Geschenk öffnen darf: Vier Tage im Paradies.

Ein kleiner Haufen weißer Häuser erstreckt sich hier an der Küste, ein ellenlanger Strand und am Fuße des Berges gibt es nochmal ein kleines Dorf.

Ich hieve meinen Koffer aus der Gepäckaufbewahrung des Busses. Alle anderen haben dort ihre Surfbretter verstaut. Die wissen was gut ist. Die Straße ist voller Sand, der unter meinen Schuhen knirscht als ich meinen Schlüssel bei Red Star Surf abhole. Denn ich habe mir ein Zimmer in einem ihrer Surfhäuser gemietet. (Für zwei Personen oder mehr gibt es hier aber auch wunderschöne und günstige Appartments)

Ich wohne im Zimmer mit dem passenden Namen „Venice Beach“. Die Wand ziert eine Malerei von einem Surfer in einer Tube. Es gibt eine große Wohnküche, eine Dachterrasse und Aussicht bis zum Meer und darüber hinaus. Sogar das Bett ist unglaublich gemütlich. Und das heisst was: Ich gebe zu, ich bin mit der Zeit ein bisschen wählerischer geworden was meine Unterkünfte angeht. Ich möchte nicht mehr in geteilten Unterkünften schlafen. Und ungern in durchgelegenen Matratzen. Aber hier fühle ich mich sofort unglaublich wohl.

Caleta de Famara

Essen in Caleta de Famara

Ich koche auf Reisen gerne selbst. Aber am Meer möchte ich natürlich auch Fisch aus der Region essen. Also koche ich an einigen Tagen Pasta und an anderen „gönne“ ich mir Restaurant. Die kleinen Supermärkte hier sind natürlich auch deutlich schlechter sortiert als in Arrecife – und deutlich teurer.

Meine Mitbewohnerin sagt mir, dass man in der Hamburgerseria gut essen kann. „Allerdings Tapas – und keine Hamburger“, warnt sie mich. Und sie hat recht mit den Tapas! Garnelen und kanarische Kartoffeln schmecken hier wirklich ausgezeichnet.

Das C.S.C ist ein uriges Restaurant, in dem du fast nur Canarios triffst. Hier esse ich Fisch, Salat und kanarische Kartoffeln für gerade mal 6,50 Euro. Unglaublich lecker und günstig. Am Tisch neben mir spielen die alten Herren aus dem Dorf lautstark Karten und trinken ein „Tropical-Bier“ nach dem anderen. Ich könnte ihnen ewig zusehen, bei ihrem Ritual. Sie genießen den Moment und sind ganz bei sich.

Caleta de Famara Lanzarote Playa Strand

Der Strand von Caleta de Famara

Bei Orten, die mir ein Lachen ins Herz zaubern, geht das meistens sehr schnell. Am Strand von Caleta de Famara fühlt sich alles „richtig“ an: Der Blick ins Weite, die Sonne, der leichte Wind und der warme Sand unter den Füßen. Und dazu 20 Grad Ende November. In mir breitet sich eine wohlige Ruhe aus, als ich mich dort in den Windschatten lege. Am Strand gibt es ganz viele kleine Steinbuchten, in denen man sich windgeschützt sonnen kann. Ein toller Mensch, der auf diese Idee gekommen ist!

Stundenlang liege ich dort und lese. Und schreibe. Und lese. Und schaue. Und kann mein Glück doch nicht wirklich fassen. Die Sonne geht unter und zaubert ein kitschiges rosa an den Himmel. Und ich versuche den Moment mit meinem Herzen zu fotografieren – für kalte Tage ohne Sonne in mir.

Strand Caleta de Famara Lanzarote Kanarische Inseln

Vormittags leihe ich mir ein Surfboard und gehe an den Strand – um zwischen den Surfschulen mein Können zu verbessern. Es macht unglaublich viel Spaß, aber ich merke, dass 5 Tage surfen im Jahr nicht wirklich reicht, um ein Line-Up Crack zu werden. Dafür steht mir noch immer zu viel Angst im Weg. Macht aber nichts! Ich habe sie akzeptiert und denke bei mir: Sie gehört zu mir. Sie will mich nur. Und auf einmal baut sich hinter mir eine kleine grüne Welle auf und ich paddle mit mir selbst um die Wette. Und schon diese eine erwischte Welle zeigt mir wieder, dass es sich lohnt: Zu surfen. An sich zu glauben. Und über sich hinauszuwachsen.

Unendlich viele kleine Wellen brechen in der Bucht und viele Surfer paddeln, um ihr Leben, um sie surfen zu dürfen.

Lanzarote Famara Surfstrand

Caleta de Famara Strand Surfer Kanarische Inseln

Was bleibt? Was bedeutet Schönheit auf Reisen?

Auf Reisen geht es für mich tatsächlich nicht darum, wie schön der Ort ist. Und wieviele Attraktionen ich dort besuchen (und abhaken) kann. Ich finde spannend, was ein Ort mit mir macht. Ob ich zur Ruhe kommen kann. Und ob ich mich dort komplett wohlfühle. Auf Lanzarote gibt es alles, was ich liebe: Den Wind, das Meer, das Salz, die Felsen und Hügel. Und natürlich die Sonne. Auf dieser Insel kannst du das Leben spüren – abseits vom Gewusel des Alltags.

Und – wer mag – kann hier komplett zur Ruhe kommen. Es gibt wenig Ablenkung und viel Sicht in die Weite: Glitzerndes Wasser, das sich zu kleinen Wellen formt. Wieder und wieder. Wie die Chancen im Leben. Sie kommen und gehen. Und du entscheidest, welcher du dich stellst.

Wenn mich morgen jemand (wie Raphael) fragen würde: Kommst du mit nach Famara – für länger? Ich würde „ja“ sagen, ohne zu zögern. Für mich ist das der perfekte Surferort – auch für alle, die allein unterwegs sind.

Famara Lanzarote

Caleta de Famara Strand Lanzarote Surfer Welle

Bus fahren auf Lanzarote

Wer kein Problem damit hat, auch mal umzusteigen, der kann auf Lanzarote prima Bus fahren! Vor allem als Alleinreisende fand ich es sehr praktisch, dass an die meisten Orte Busse fahren. Und die Tickets sind echt günstig!

Vom Flughafen nach Arrecife kostet das Ticket im November 2018 zum Beispiel 1,40 Euro. Zu meiner Unterkunft musste ich einmal umsteigen, konnte aber das gleiche Ticket weiterbenutzen. Also einfach dem Busfahrer sagen, wo genau du hinmöchtest. Und er stellt das passende Ticket aus.

Als ich von Famara zum Flughafen gefahren bin, brauchte ich dann allerdings doch zwei Tickets – für drei Busse. Mit dem ersten konnte ich von Famara bis nach Costa Teguise fahren (mit Bus 31). Dort bin ich dann umgestiegen in die 03 und habe ein Ticket bis zum Flughafen gekauft. In Arrecife musste ich aber am Intercambiador noch einmal umsteigen in Bus Nummer 22 zum Flughafen.

Du siehst: Nicht ganz einfach, aber möglich. Für alle, die Spanisch können, ist es gar kein Problem, denn die Busfahrer helfen gerne.

Für alle, die die Insel erkunden möchten, lohnt sich aber sicher ein Mietwagen. Ich persönlich hätte keinen gebraucht – ich hätte einfach ewig in Famara bleiben können.

Lanzarote Caleta de Famara

Disneyland Paris: Lohnt sich der Besuch für Erwachsene?

Einmal im Leben durch das Disneyland laufen vor dem Schloss stehen und Mickey Mouse und die anderen Disney-Helden bewundern. Davon träume ich seit ich ein kleines Kind bin und „Arielle die Meerjungfrau“ im Kino gesehen habe. Da in meiner Familie leider niemand meine Disney-Kitsch-Passion teilt, schwirrte dieser unerfüllte Wunsch noch mit 33 Jahren durch meinen Kopf. Also ging es im Herbst 2018 ins Disneyland Paris: Den Kindheitstraum erfüllen.

Schon am frühen Morgen bin ich aufgeregt wie damals am ersten Schultag. Die Sonne lacht, ich ziehe mir ein Kleid mit roten Punkten an und bin bereit für meinen ersten Besuch im Disneyland. Vom Airbnb aus nehme ich einen öffentlichen Bus, der mich für nur 2 Euro ins Disneyland bringt.

Ich hatte vorher vermutet, dass es ein aufregender Moment wird, wenn ich vor den Toren des Parks stehe. Aber ich hätte niemals gedacht, dass mir auch mit über 30 Jahren noch die Knie schlottern und das Herz hüpft beim Anblick der Mickey – Uhr am Disneyland Hotel. Hier beginnt die Welt der Kinderträume! Das steht fest. Werden meine auch erfüllt?

Disneyland Paris Disney

Gänsehaut beim Anblick des Schlosses

Ein bisschen neidisch bin ich schon auf die vielen kleinen Mädchen, die in ihren Disneykleidern über den Boden hopsen: Belle, Elsa… sie sind alle hier!

Über die mittlere Hauptstraße laufe ich auf das Schloss zu und fühle mich tatsächlich sofort wie im Film. Diese Welt, die hier aufgebaut worden ist, hat etwas Magisches an sich.

Mit viel Liebe zum Detail wurden hier Fassaden bemalt, an jeder Ecke hängen Minnie Mouse Ballons oder Minnie Öhrchen. Das ist die Main Street USA. Oldtimer befördern Besucher durch den Park – wie früher. Die Architektur erinnert an die Jahrhundertwende. Und in den Schaufenstern liegen unterschiedlichsten Disney-Produkte: Shirts, Tassen, Schmuck… hier kann man wirklich alles kaufen.

Minnie Disneyland Ohren Paris Disney Mouse

Und dann stehe ich vor dem Schloss: Wie oft habe ich das Bild davon im Kino gesehen. Wie oft habe ich mir gewünscht einmal hier zu stehen. Für einen Moment vergesse ich die vielen anderen Menschen um mich herum und genieße das Kribbeln und die Gänsehaut. Darauf habe ich fast 20 Jahre gewartet. Ein unvergesslicher Moment!

Disney Schloss Disneyland

Disneyland Paris Schloss

20 Grad und Sonnenschein

Es ist ein Tag mitten im Oktober, aber die Sonne führt uns an der Nase herum. Es fühlt sich an wie Ende August. Besseres Wetter hätte sich niemand wünschen können. Auf dem Plan habe ich mir die Orte markiert, die ich unbedingt besuchen möchte. Ganz oben auf der Liste: Die berühmten Tassen.

Mad Hatter's TEa Cups Disney Alice

Mad Hatter’s Tea Cups – mein Lieblingsort

Die Attraktion, die ich schon als Kind bewundert habe, sind die verwunschenen Tee-Tassen: Mad Hatter’s Tea Cups im Fantasyland. Die bunten Tassen des Hutmachers aus Alice im Wunderland, die sich durch die Gegend drehen. Ein Spaß für die ganze Familie – und ein Spaß für mich!

Das ist nichts für Adrenalin-Junkies. Diese Attraktion ist für all jene geeignet, die es klassisch und schön mögen. Und nicht zu schnell und wild – wie ich. Vorher hatte ich kurz Sorge, dass mir schlecht werden könnte. – Aber es ist nicht passiert.

Athene Pi Permantier Disney

Schon als ich mich in die gelbe Tasse setze, freue ich mich unglaublich. Vielleicht liegt es daran, dass ich so lange darauf gewartet habe. Die Tassen beginnen sich zu drehen, ich schnappe mir das Rad in der Mitte und drehe meine Tasse noch mehr. Schwung soll sie bekommen! Welch ein Spaß. Es ist schon unglaublich wie glücklich einen eine Attraktion machen kann, auf die man sich ewig gefreut hat.

Danach will ich unbedingt noch auf das antike Karussell, das sich gleich neben den Tassen befindet. Das Pferd wiegt langsam hoch und runter während wir uns im Kreis drehen. Und aus den Boxen kommt der Disney-Sound, der sich schon vor Jahren einen Platz im Herzen gesichert hat.

Ich genieße den Moment und frage mich, ob mir das mit sechs Jahren wohl auch so viel Spaß gemacht hätte.

Karusell Disneyland Fantasyland

Anstehen kostet viel Zeit

Vor allem an den Achterbahnen und anderen großen Attraktionen bilden sich lange Schlangen. In der Disneyland-App kann ich nachschauen, an welchem Fahrgeschäft die Schlange gerade kürzer ist. Das ist praktisch! Aber manchmal ist die Wartezeit beim Ankommen schon wieder länger geworden. Vermutlich sind alle gleich losgelaufen als sie gesehen haben, dass die Wartezeit sinkt. An manchen Attraktionen wartet man locker eine Stunde. Da lohnt es sich tatsächlich zusätzlich zur Eintrittskarte über einen sogenannten „Fastpass“ nachzudenken. Damit kommt man deutlich schneller an die Reihe und kann sich so am Ende des Tages natürlich viel mehr Fahrten gönnen. Gäbe es für niemanden einen “Fastpass”, dann gäbe es natürlich auch dieses System nicht.

Weil ich den Kindern keine Zeit wegnehmen möchte, stelle ich mich nicht für ein Meet & Greet mit Minnie oder Mickey an. Aber ich bewundere die Puppendarsteller sehr: Mit einer Engelsgeduld nehmen sie alle Kinder in den Arm und schreiben sogar Autogramme. „Super Job“, denke ich! „Wenn man kein Problem mit Nähe hat.“

Minnie mouse Paris

Popcorn & Eis

Als sich ein wenig Hunger breit macht, lacht mich vor allem das Ben & Jerry’s Eis an. Ich bin ja schon groß und brauche keine Regeln. Wie praktisch. Es gibt ein riesiges Eis zu essen. Ein Croissant. Und später noch Popcorn. Mein inneres Kind klopft mir auf die Schulter. Mein Bauch schreit hinterher nach einem salzigen Ausgleich. Ich vertröste ihn auf den Abend. Irgendwo wird es sicher Pommes geben!

Disneyland Park vs Walt Disney Studios Park

Es war mir vorher gar nicht so bewusst, aber gleich neben dem Disneyland Park befindet sich noch ein zweiter: Und zwar der Walt Disney Studios Park. Und den gibt es auch schon seit 2002. Hier wird eine komplett andere Welt gebaut. Es geht darum, in die Welt der Filmproduktion einzutauchen.

Man fühlt sich tatsächlich ein wenig wie in Los Angeles. Große Hallen stehen hier, die an Filmproduktionen erinnern und man kann eine „Studio Tram Tour“ machen, bei der man hinter die Kulissen schauen kann. Leider war diese Attraktion geschlossen als ich dort war. Ich wäre gerne mitgefahren.

Walt Disney Studios Park

Am besten gefallen hat mir hier die Attraktion „Ratatouille – das Abenteuer. Als großer Fan von 4D-Erlebnis-Bahnen war diese genau mein Ding. Man taucht ein in die Welt von Remy und fühlt sich wirklich so als wäre man Teil dieser Disney-Welt. Jeder setzt sich in einen kleinen Ratten-Wagen, fährt kreuz und quer und hat dadurch dann das Gefühl, als kleine Ratte durch eine Restaurantküche zu huschen. Wer hätte es gedacht: Auch diese Bahn ist wieder ein Erlebnis für die ganze Familie. Da fühle ich mich nunmal am besten aufgehoben.

Aber im Vergleich zum Nachbarpark muss ich sagen: Im Disneyland Park gefällt es mir deutlich besser. Das liegt vor allem daran, dass ich dort von Sekunde eins an in die Disney-Welt meiner Kindheit eintauchen kann. In beiden Parks gibt es Attraktionen für jedes Level: Achterbahnen, Karussells und und und. Vermutlich würden andere sagen: Das Disneyland ist noch mehr für Kinder ausgerichtet. Ich würde sagen: Das Disneyland ist mehr für Träumer, Nostalgiker & Kinder ausgerichtet.

Parade Disneyland

Zauberhafte Paraden im Disneyland

In diesem Oktober ist das Disneyland schon für Halloween dekoriert und herausgeputzt. Und deshalb gibt es mittags auch eine große Parade im Disneyland – mit allen Disney-Helden. Sie singen und tanzen zu einem Halloween-Song und machen gute Stimmung.

Und am Nachmittag findet sogar noch eine große Parade statt! Der Straßenrand füllt sich mit Besuchern, die ihren Helden zujubeln wollen. Zu recht! Aus den Boxen kommen die Songs zum jeweiligen Themenwagen, der gerade vorbeikommt: Mit dabei das Dschungelbuch, König der Löwen, die Schöne und das Biest und natürlich Frozen. Sie winken und tanzen auf der Straße und hoch oben auf den Wagen. Und wir machen alle mit. Wie an Karneval. Nur besser.

Highlight: Das Feuerwerk am Abend

Als es schließlich dunkel wird, frage ich mich wo die Zeit eigentlich geblieben ist. Der Tag war wunderschön und viel zu schnell vorbei. Das habe ich zuletzt bei meiner Hochzeit erlebt! Das Disney-Schloss sieht in der Abendsonne sogar noch kitschiger aus als vorher. Und auf einmal ist die Hauptstraße bis zum Schloss rappel voll. Alle warten auf das Highlight des Tages: Das große Feuerwerk. Ich hatte keine Lust, mir eine Stunde lang einen Platz zu sichern. Jetzt bereue ich es. Die besten Plätze waren vergeben. Vor mir viele Menschen. Eine Frau wedelt mit ihrem Selfie Stick herum und versucht das Feuerwerk mit ihrem alten iphone zu filmen. Ob ihr klar ist, dass sie sich diese Aufnahme nie wieder anschauen wird? Weil man einfach nichts Gescheites darauf sieht?

Das frage ich mich, während das Feuerwerk losgeht. Und ein großes Ausrufezeichen hinter diesen Kindheitstraum setzt.

Mein Fazit: Ja! Das Disneyland lohnt sich für erwachsene Träumer

Farben fliegen durch die Luft. Es funkelt und glitzert. Mein Herz lacht wie früher, als ich noch nicht wusste was erwachsen sein bedeutet.

Disney-Hymnen umhüllen uns und wir machen eine kleine Zeitreise mit all den Prinzen, Prinzessinnen und Zauberfiguren, die uns immer wieder zum Träumen gebracht haben.

Und als der letzte Ton verklingt, habe ich Tränen in den Augen und weiß: Ich war nicht zum letzten Mal hier. Beschwingt von all den bunten Eindrücken geht es zurück ins Bett. Und ich schlafe wie ein Kind.

Vielen Dank an das Disneyland fürs zur Verfügung stellen des Tickets.

Teil 3: Roadtrip Kalifornien: Alleine von San Francisco nach Los Angeles

Nach der tollen Zeit in Santa Cruz, Cambria und Pismo Beach geht es auf die letzte Etappe: Ich fahre nach Santa Monica bevor ich von Los Angeles zurückfliege. Der letzte Teil meines Roadtrips alleine. Fest steht: Lange Autofahrten mag ich noch immer nicht. Jeder Zwischenstop am Meer lohnt sich. Lest hier wie das letzte Stück meiner Reise war. Am Ende habe ich Tipps für euren Roadtrip zusammengefasst.

Hier gelangt ihr zu Teil 1 und Teil 2 des Trips.

Zwischenstopp in Santa Barbara und Malibu

Auf dem Weg halte ich erst in Santa Barbara und schaue den Skatern zu. Sie sausen durch die Halfpipe und springen mit ihrem Mut um die Wette. Und ich bewundere sie wie damals mit 13 am Elisenbrunnen in Aachen.

Mit dem Herzen voller Nostalgie fahre ich weiter in Richtung Süden. Und stoppe in Malibu. Das hatte ich mir ewig vorgenommen. Die Sonne strahlt wie erhofft. Ich drehe Malibu von Miley Cyrus auf dem Handy auf und stehe da – mit Blick auf das Meer; Und die Vögel; Und den Strand. Es ist einfach ein kleiner Popsong. Weil aber gerade alles zusammenpasst, werden die Noten zu fliegenden Glücksgefühlen, die um mich herumfliegen und mich einhüllen in Freude und Dankbarkeit. Ich habe es fast geschafft. Bald bin ich in Santa Monica. Ich kann anhalten wo ich möchte. Mit mir an meiner Seite fühle ich mich vollkommen und frei.

Es macht unendlich viel Spaß. Diesen Trip und diese Reise hätte ich mir vorher nie ausmalen können.

Santa Barbara

Santa Monica & Los Angeles

In Santa Monica wohne ich bei einem Bekannten meiner besten Freundin. Bill hat zwei kleine Gartenhäuser hinter seinem Haupthaus. Und in einem davon darf ich wohnen. Er zeigt mir das Häuschen mit den großen Fenstern. Und ich fühle mich wie Ryan in seinem Pool-Haus in O.C. California. Mit dem feinen Unterschied, dass es hier keinen Pool gibt. Aber das sind Details. Ich habe ein Bad, ein Bett, eine Küche und bin in 10 Minuten zu Fuß am Strand. Was will ich mehr.

Santa Monica

L.A.: City of Cars

Ich stelle mein Auto ab und beschließe nur noch wenig zu fahren. Denn Los Angeles ist voller Stau. Mein Handy bestätigt es. Für ein paar Kilometer zur Melrose Avenue brauche ich mindestens eine Stunde. Das tue ich mir nicht an und bestelle mir ein Lyft-Line – ein geteiltes Taxi.

Gemeinsam mit anderen Fahrgästen machen wir uns auf den Weg durch die vollen Straßen von Los Angeles. City of Stars? Das ist wirklich die City of Cars!

Stehen. Rollen. Stehen. Stehen. Der Lyft-Fahrer erzählt, dass er diese Fahrt nur angenommen hat, um ein paar Dollar extra zu verdienen. Denn wer fünf Fahrten am Stück macht (5 in a row) verdient ein bisschen was dazu. Ich merke wie sehr er diese Entscheidung bereut. Er ist müde. Das lohnt sich nicht. Die zusätzlichen Dollar werden für den Sprit im Stau draufgehen. Traurig. So viele Menschen mit Träumen ziehen jeden Tag durch L.A. Und so wenige Träume werden am Ende wahr.

Melrose Avenue Los Angeles

Melrose Avenue

Zwei mal baut der müde Fahrer fast einen Unfall. Ich bin froh, als ich nach 90 Minuten aussteigen darf und muss lachen:

Ich gestehe, ich bin hierher gefahren, um ein paar der typischen „Los Angeles-Fotos zu machen.“ Lohnt sich das? Keine Ahnung. Aber mir macht es Spaß durch die Straße zu laufen, die Schaufenster der bunten und teuren Boutiquen zu bewundern und nach Wandgemälden zu suchen.

Melrose Avenue

Im Abendlicht knipse ich die Neonbilder. Und stelle mich an, um auch ein Bild vor dem Engel zu haben. Als Andenken. Das ist längst nichts besonderes mehr. Und doch finde ich das Motiv wunderschön. Es passt zum Ort und zu meiner Reise. Und ich bin dankbar, als ein junges Mädchen ein paar Bilder von mir vor den Flügeln aufnimmt. Meine Reise. Mein Moment. Mein Andenken. Meine Flügel.

Melrose Avenue

Hinterher gehe ich in ein hübsches Restaurant. „How many?“ „Just me“. Kurz werde ich rot, als ich einen Tisch nur für mich bestelle. Und sobald ich sitze, genieße ich es. Ich habe Ruhe und Zeit. Zwischendurch schnappe ich Gesprächsfetzen um mich herum auf. Es geht um… Filmemacher und Storytelling. Ironisch, denke ich. Als gäbe es in Los Angeles keine anderen Themen als Filme und Hollywood. Ein lustiger Zufall.

Ich bestelle eine Burger-Bowl und in Vorfreude auf Fleisch läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Umso enttäuschter bin ich, als ich hinterher merke: Das Restaurant ist vegan. Und mein Burger auch. Mist – da hätte ich besser aufpassen müssen. Gleichzeitig finde ich es unfassbar komisch, dass ich gerade in Kalifornien in so ein Restaurant laufe. Schade nur, dass hier nicht nur am Fleisch sondern auch an Salz und Geschmack gespart wird. Morgen gibt es definitiv wieder mexikanisch!

Santa Monica Beach

Zurück am Strand bin ich froh, dass es alles wieder ruhig und entspannt ist. Und dankbar, dass mir diese Reise so viel Freude macht.

Ich dachte vorher schon: Das läuft alles zu gut. Wo sind die Schatten? Klar, die gibt es immer. Da sind die Lyft-Fahrer. Die vielen zersplitterten Träume am Wegesrand. Leute, die hier wegziehen, weil sie es sich einfach nicht leisten können. Wer genau hinsieht, kann viele dunkle Flecken finden.

Aber in Santa Monica wirkt alles ein bisschen zu einfach und schön. Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg an den Strand.

Die Straßen sind doppelt so breit wie nötig wäre. Überall ist Platz und Palmen. Ich fühle mich als wäre ich in die Kulisse einer meiner Serien gefallen. Plums.

Neben mir joggen Leute mit ihrem Hund in Richtung Strand. Andere tragen Yoga-Matten zu den Palmen an der Steilküste. Und trainieren dort mit Blick auf das Meer. Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, hier zu leben. Was könnte ich hier wohl arbeiten? Keine Ahnung. Aber Yoga in Strandnähe würde ich jeden Tag machen. Das steht fest.

Santa Monica Pier

Santa Monica Pier

Über eine lange Holztreppe geht es runter an den Strand von Santa Monica. Er ist wirklich endlos. Kilometer voller Sand. Rechts geht es nach Malibu und links nach Venice.

Über drei Kilometer ist Venice entfernt, sagt mir mein Handy. Und ich laufe los. Erstmal geht es zur Kirmes: Zum Santa Monica Pier.

Am Strand fahren viele Leute mit Fahrrädern oder mit kleinen Elektro-Rollern, die man sich hier mieten kann. Ich entscheide mich zu laufen. Dabei bekomme ich mehr von meiner Umgebung mit.

Mal laufe ich vorne an der Brandung und mal spaziere ich über den befestigten Weg. Immer wieder sausen Menschen mit strahlenden Gesichtern an mir vorbei. Manche wagen sich sogar zu zweit auf die kleinen Elektro-Roller. Sie werden richtig schnell. Wahnsinn!

Kalifornien Santa Monica Pier

Santa Monica

Auf dem Boulevard spielt ein Typ Schlagzeug und pimpt damit die Popmusik, die aus seinen billigen Boxen scheppert. Er macht eine große Show daraus und ich stehe mit vielen anderen Bewunderern drum herum und feiere ihn. Über mir donnert die kleine Achterbahn vorbei. „Der Blick von da oben muss der Hammer sein – so aufs Meer,“ denke ich und traue mich doch nicht drauf.

Zuckerwatte, Churros, Nüsse, Äpfel im Schokomantel – oder doch lieber Hot Dogs, Tacos, Chili Cheese Fries oder Pizza? Hier gibt es jedes erdenkliche Fastfood für teures Geld. Ich begnüge mich damit die vielen bunten Schilder zu bewundern bevor ich weiter in Richtung Venice ziehe.

Gleich hinter dem Pier kann man alles wieder abtrainieren, wenn man mag: Denn hier stehen vielerlei Sportgeräte herum: Ringe, Reck und andere Dinge, mit denen ich im Sportunterricht schon nichts anfangen konnte. Und daneben Slacklines und Yoga-Matten im Sand. Fitness ist hier Lifestyle. Nach Feierabend treffen sich hier viele Leute und machen Sport mit Blick aufs Meer. Es ist wirklich sehr viel schöner als mein olles Fitness-Studio in Karlsruhe.

Santa Monica Beach

Santa Monica

Venice Beach

Der Weg zieht sich. Das macht aber nichts, weil die Weite und der Blick aufs Meer entschädigt. Schließlich erreiche ich Venice Beach. Schilder am Strand heißen mich Willkommen. Rechts unter den Palmen stehen Zelte. Daneben liegen Schlafsäcke. Hier wohnen einige Obdachlose und organisieren sich in kleinen Wohngruppen.

Venice Beach

Ich flaniere durch die bunten Straßen. Zum Glück gibt es auch hier in Abbot Kinney einige schöne Gemälde an der Wand. Und viele kleine, ausgefallene Boutiquen auch. Wer nicht will, muss nicht bis zur Melrose Avenue fahren. In einem kleinen mexikanischen Restaurant bestelle ich mir Margeritas und Tacos und stelle fest: Ans alleine essen gewöhnt man sich schnell.

Die Sonne wird orange und zeigt an, dass es Abend wird. Ich bin anfällig für schönes Licht und es überkommt mich. Auf einmal ist dieses Gefühl da: Angekommen. Geschafft. Endstation. Ich. Hier und jetzt.

Venice Beach Kalifornien

Freigelassener Mut ist schwer zu fangen

Da wo vorher ein großer Haufen Zweifel, Angst und „Was wäre wenn“-Gedanken waren, ist plötzlich diese Ruhe.

Ich sitze in Venice am Strand und schaue den Surfern zu. Unter mir der warme Sand, der den ganzen Tag von der Sonne angelacht worden ist. Er kuschelt sich an. Meine Füße buddeln sich tiefer zwischen die Körner.

Weder an Morgen noch an Übermorgen denke ich. Auch nicht an gestern. Da ist nur das „Jetzt“. Das Meer, ich, das Herzklopfen, die Wellen. Da ist das Salz in der Luft. Und Wind im Haar. Und ein Gefühl von: Ich bin auf dem richtigen Weg. Alles ist gut. Ich fühle mich unbesiegbar und stark. Ein Gefühl, das ich ewig vermisst hatte. Und auf einmal ist es da. Als hätte sich in mir eine Tür geöffnet. Die Tür zu meiner Stärke, von der ich vergessen hatte, wo sie ist. Ich hatte gehofft, dass es sie gibt, aber den Weg zu ihr habe ich nicht mehr gefunden.

Es fühlt sich an, als würden mir Flügel wachsen. Unsichtbar – aber haltbar. Ich mache mit dem Herzen ein Foto von diesem Moment, um mich daran zu erinnern, wenn die Flügel schwach werden.

 

Venice Beach
Me, my Mut and I

Kalifornien Los Angeles
Venice Beach

Tipps für euren Roadtrip alleine:

Wie lange traut ihr euch?

Für mich war klar: Ich reise keine drei Wochen alleine. Ich probiere es aus. Und starte daher mit einer Woche. Rückblickend kann ich sagen: Auch zwei Wochen wären kein Problem gewesen. Aber da ist jeder anders. Überleg dir vorher genau, wieviel alleine du aushalten – und dir gönnen möchtest.

Welche Länder kommen in Frage?

Ich habe mich für Kalifornien entschieden. Wohl wissend, dass es mir das Land leicht machen wird. Ich war vorher mal dort und ich kann die Sprache. Und das ist meiner Meinung nach der Schlüssel: Die erste Reise kann gut in ein Land gehen, dessen Sprache man beherrscht. Das macht den Kontakt und das Verständnis für die Kultur leichter.

Welche Unterkünfte sind passend für mich?

Ich habe mich bewusst für Unterkünfte entschieden, bei denen ich nicht komplett allein bin. Motels kamen für mich bei dieser Reise nicht in Frage. (Schon allein, weil ich die ultra gruselig finde). Ich habe in Privatzimmern übernachtet, die ich alle bei Airbnb gefunden habe. Und damit habe ich mich sehr wohlgefühlt.

Was tun gegen Angst?

Dagegen habe ich kein Patentrezept. Wenn jemand eins gefunden hat, möge er es mich wissen lassen. Ich kann nur aus Erfahrung sagen: Nimm deine Angst ernst. Aber lass nicht zu, dass sie dich lähmt.

Denn meine Angst kommt immer wieder. Und trotzdem stelle ich mich der Angst: Beim Fliegen, Surfen oder Auto fahren. Egal. Es gehört dazu. Und wenn ich es schaffe, mich der Angst zu stellen, wachse ich über mich hinaus. Und das macht stärker.

Hier gibt es Teil 1 und Teil 2 des Roadtrips

P.S.

Am allerliebsten reise ich nach wie vor mit meinem Mann Raphael. Das wusste ich schon bevor wir zusammengekommen sind. Denn wir sind auf einer Reise ein Paar geworden. Ich wollte aber immer auch mal ausprobieren alleine zu reisen. Und ich bin unglaublich froh, es getan zu haben. Es ist ein “Plus” in meinem Leben. Denn es gibt noch so vieles da draussen zu sehen. Und Raphael hat nich so viele Hummeln im Arsch wie ich. Und so kann ich in Zukunft  beides genießen: Reisen mit ihm und reisen mit mir.

Abbott Kinney
Venice Beach

Teil 2: Solo-Roadtrip Kalifornien: Cambria und Pismo Beach

Es ist mein erster Roadtrip alleine durch Kalifornien. Mit dem Auto starte ich in San Francisco. Eine Woche habe ich insgesamt Zeit und stoppe in Santa Cruz, Cambria und Pismo Beach. In Los Angeles gebe ich das Auto zurück. Die ersten Kilometer kämpfe ich mit großer Angst und danach geht es mir langsam besser. Ich komme immer mehr zur Ruhe. Innerlich. Lest jetzt Teil 2 meines Roadtrips. Teil 1 findet ihr hier. Und hier gelangt ihr zur Teil 3.

Von Santa Cruz fahre ich nach Cambria. Leider kann ich diese Strecke nicht komplett am Meer fahren, da der Highway 1 noch repariert werden muss und daher gesperrt ist. Ich schalte die Klimaanlage ein und gebe Gas. Warum zur Hölle fahren in Deutschland noch nicht alle Menschen Automatik?

Carmel by the Sea

Unterwegs mache ich Halt in Carmel by the Sea. Ein kleines, schmuckes Städtchen. Eine Kunstgalerie steht neben der anderen. Es gibt teure Cafés in Fachwerkhäusern. Unendlich viele Gucci-Brillen, teure Handtaschen und Stöckelschuhe laufen an mir vorbei. Wow! Ich hatte gehört, dass hier die Reichen und Schönen umherlaufen. Aber in so einem Ort war ich wirklich noch nie.

Um nicht zu sehr aufzufallen, lege ich Lippenstift auf. Hoffentlich hilft das, denke ich. Und merke, dass ich noch immer die ausgelatschten Sneaker trage. Da ist nichts zu machen. Du bist underessed as hell. Also steh dazu.

Der Sand am Strand in Carmel ist unglaublich hell, aber der Wind geht so stark, dass man es keine 5 Minuten hier aushält. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass hier Autoren wie Hemingway auf gute Ideen gekommen sind. Die Natur ist wirklich klasse. Aber mich zieht es weiter.

Cambria California

Cambria

Die Autobahn 101 ist unscheinbar und führt durchs Nirgendwo. Die Sonne brennt und neben der Straße gibt es Gestrüpp und Geröll. Ich sehne mich nach mehr Meer. Und werde müde. Lange Autofahrten machen mir generell keinen Spaß. Und alleine ist es noch schwieriger.

Weit und breit gibt es kein Café. Um wachzubleiben, suche ich immer wieder nach neuen Radiosendern. Und ich freue mich immer wieder, wenn ich eine Popwelle finde, die Ariana Grandés „No tears left to cry“ spielt. Schon jetzt ist das der epische Soundtrack zu meiner Reise. Zusammen mit Clean Bandit und „Solo“. Einfach weil diese Songs gerade auf der Hot Rotation laufen und so oft gespielt werden, dass sie mich für immer an diese Reise erinnern werden.

Und das mag ich sehr.

Als ich Cambria näher komme, wird die Natur grüner. Ich fahre viele Kurven bergab bis ich schließlich im Wald ankomme. Und am Haus von Terri. Sie vermietet gleich mehrere Zimmer bei Airbnb, damit ihre Tochter irgendwas mit Film in Hollywood – Los Angeles studieren kann. Ich habe ein Zimmer und nebenan im Yoga-Studio wohnen nochmal zwei Mädels. Terri entschuldigt sich im voraus für alles, was US Präsident Trump während seiner Amtszeit noch so anstellen könnte und gibt mir einige Tipps in der Umgebung.

Kalifornien
Moonstone Beach

Moonstone Beach und Fiscalini Ranch

Am nächsten Morgen fahre ich zum Moonstone Beach. Ein wilder Strand mit etwas dunklerem Sand. Er passt zur rauen Küste. Mutige Surfer werfen sich in die Wellen und tanzen auf ihnen. Ich sitze auf Treibholz und bewundere sie. Und durch den Wind merke ich gar nicht wie sehr die Sonne auf mir brennt. “Anfänger!” – denke ich als ich hinterher im Auto meine rote Nase bewundere.

An der Küste in Cambria ist mein nächster Halt das Fiscalini Ranch Preserve. Ein großes Naturreservat, das ich mir – wegen des Namens – fälschlicherweise als Ranch vorgestellt habe. Ich staune nicht schlecht, als ich endlos über ein Hochplateau am Ozean laufe. Der Weg führt mitten durch ein Meer aus gelben und lila Blumen. Hin und wieder gibt es eine Bank, auf der man sich ausruhen und die Aussicht genießen kann. Wahnsinn! Unten die Wellen im wilden Pazifik, endlose Sicht in die Ferne und um mich herum strahlen wilde Blüten.

Nur der fehlende Schatten bringt mich nach einer Weile dazu, weiterzufahren.

Fiscalini Ranch Kalifornien California Cambria

Kalifornien
Fiscalini Ranch

Pismo Beach & Grover Beach

Nach einer kurzen Fahrt erreiche ich Grover Beach. Eine kleine Strandwelt mit einfachen Häusschen. Bungalows, die gebaut worden sind, damit Menschen am Strand eine gute Zeit haben. Keine Villen – einfache süße Häuschen sind es. In einem wohnt Charlene. Mein Airbnb-Host. Eine ältere Dame von über 70 Jahren, der der Schalk im Nacken sitzt. Sie erzählt mir von ihren vielen Reisen durch die Welt. Damals als sie noch jünger war und als ihre Schwester gerade nicht an der Hüfte operiert wurde. Damals saßen sie in den Bars dieser Welt und machten alle Männer schwach. „Und überhaupt: Gucken wird ja wohl noch erlaubt sein.“

Sie zeigt mir mein Zimmer mit dem gemütlichsten Bett der Welt darin. Und ich weiß wieder was ich mir zu Weihnachten wünsche: Eine amerikanische Matratze. Unglaublich, dass ein Bett so gemütlich sein kann. Ich überlege, ob ich meine Zeit am Strand einfach im Bett verbringe, bin dann doch zu neugierig und mache mich auf den Weg.

Grover Beach ist ein riesiger Strand mit Dünen und unendlich viel Platz. Wer will, kann sogar sein Auto auf dem Strand parken. Kostet halt ein paar Dollar extra.

Pismo Beach

Pismo Beach

Der Ort und die Restaurants sind in Pismo Beach – ein paar Kilometer die Küste entlang. Ein Ferienort für viele Amerikaner, die ein paar Tage am Strand verbringen wollen. Unendlich viel Platz am Strand gibt es hier. Ich bleibe im warmen Sand liegen bis es zu kalt wird und ich Hunger bekomme.

Charlene hat mir den Tipp gegeben, die traditionelle Muschelsuppe zu probieren. Allerdings sind die Fischrestaurants so voll und die Schlangen vor den Restaurants so lang, dass mir mein Hunger vergeht. Und für einen kleinen Moment fühle ich mich klein und einsam.

Ich hole mir Fish-Tacos und schaue mir den Sonnenuntergang an. Und mein Herz wird wieder wärmer.

Pismo Beach Kalifornien Roadtrip

 Allein an der Bar

Zum ersten Mal auf meiner Reise setze ich mich allein an die Bar, quatsche mit den Barkeepern und fühle mich unglaublich amerikanisch. Ich bestelle mir ein Bier und fühle mich wieder awesome, wild und frei. Neben mir sitzen flirtende Menschen, die sich nach heute vermutlich nicht wiedersehen. Ich lausche den Gesprächen und stelle mir vor, welches Leben sie führen, wenn sie gerade nicht in einer Strandbar sitzen. Und plötzlich fällt mein Blick auf eine Frau Anfang 40. Sie hat viel erlebt, das sieht man ihr an. Und sie wiederum beobachtet mich. Und ich stelle mir vor, welche Geschichte sie sich gerade über mich ausgedacht hat.

In der Nacht schlafe ich wie ein Baby. Kein Wunder – schließlich liege ich im gemütlichsten Bett der Welt. Am nächsten Morgen werde ich von Charlene mit Donuts und Kaffee versorgt. Sie ist etwas enttäuscht, dass ich nicht Party machen war, wie sie es an meiner Stelle getan hätte. Trotzdem bekomme ich noch einen zweiten Kaffee to go. Und mache mich auf den Weg nach Santa Monica. Mit einem Lächeln im Gesicht starte ich den Motor und und habe das Gefühl, mein Rückenwind bringt mich wie von allein Richtung Süden! Unglaublich was bisher alles geschehen ist seit ich losgefahren bin.

Im nächsten Teil lest ihr wie meine Reise zu Ende geht.

Mein Roadtrip durch Kalifornien

Teil 1 – Roadtrip Kalifornien: Alleine reisen als Frau

Vom Fernweh gepackt, buche ich eine Reise nach Kalifornien. Hinflug nach San Francisco und zurück geht es von Los Angeles. Ich möchte nicht mehr warten bis irgendwer Zeit hat. Reisen kann ich. Warum also nicht mal ganz alleine? Ich will und gleichzeitig habe ich eine Scheißangst. Ein Klick auf „Buchung abschließen“ und während aus der fixen Idee ein Plan wird, fängt mein Herz an zu klopfen. Ich miete ein Auto und mache einen Roadtrip. Und – Spoiler – es war der Hammer!!! Hier gibt es meine Tipps für alle, die auch mit dem Gedanken spielen. 

Von San Francisco nach Santa Cruz

Soll ich? Kann ich? Will ich? Vor der Reise schlagen die Gedanken Purzelbäume. Und tausend und ein Zweifel macht sich breit. Die Angst krabbelt den Nacken hoch. „Da wollen wir doch mal sehen, ob ich alleine reisen kann“, denke ich und steige ins Flugzeug. Meine Knie zittern wie damals als ich in eine neue Klasse kam. Unbekanntes Terrain. Dabei bin ich schon so oft geflogen. Nur noch nie so. Auf eine Reise ins Ungewisse. Allein.

Wie unpraktisch, dass ich in den letzten Jahren Flugangst bekommen habe. Seitdem bin ich nicht mehr alleine geflogen.

Als das Flugzeug in Richtung Himmel rast, pocht mein Herz so laut, dass ich denke: Das muss jeder hören um mich herum. Der Boden vor mir hebt sich. Es geht los. Meine Hände sind nass und kalt – voller Schweiß. Ich atme langsam ein und aus. Und versuche mir einzureden, dass alles gut wird. Dass fliegen tausend mal sicherer ist als Auto fahren. Dass alle anderen es auch hinbekommen. Und muss gleichzeitig lachen. Alle anderen… Was macht das schon? Es bedeutet nichts. Meine Angst gehört zu mir.

Die Anschnallzeichen gehen aus und auf einmal macht sich Vorfreude breit. Auf geht’s: Rotwein, ein paar Liebesfilme. Und das Abenteuer geht los. Allein. Mit mir.

Mission Dolores Park

Ans Meer mit dem Mietwagen

Mein Lyft-Fahrer setzt mich vor dem Mietwagen-Verleih ab und ich verabschiede mich betont cool. „Fake it until you make it,“ hatte mir meine Freundin zum Abschied mit auf den Weg gegeben.

Wird schon. Muss schon. Geht schon. Wird schon.

Bin ich denn schon soweit?

Das Datum der Mietwagen-Buchung schreit: Ja! Das Auto ist fest gebucht und wartet. Mir ist kotzübel als ich alleine ins dunkle Parkhaus geschickt werde, um das Auto abzuholen.

Ich drücke auf den Zündschlüssel und warte. Und ein weißer Toyota Corolla leuchtet auf und sagt: „Hi! Ich bins. Dein Begleiter für die kommende Woche.“ „Tach – du bist aber groß, dude.“ Denke ich und hiefe meinen Koffer in die Limousine.

Ich werfe das Navi auf meinem Handy an. Meine Beine zittern, als ich losfahre. Im gemütlichen Schneckentempo verlasse ich San Francisco. Und mache mich mit dem Auto vertraut. Hügel rauf. Hügel runter. Immer weiter in Richtung Meer. Die Stadt kommt mir unendlich vor. Groß und unbekannt. Viele Locals überholen mich. Ich habe vor allem ein Ziel: Raus aus der Stadt und keinen Unfall bauen. Für mehr habe ich in diesem Moment keinen Kopf.

Nach einer Stunde wird es leerer auf den Straßen. Und entspannter. Vor mir verteilt sich Dunst und Nebel. Und auf einmal sehe ich vor mir das Meer.

Ich mache eine kleine Pause auf einem Parkplatz, schaue den Möwen zu und auf einmal ist die Angst wie weggeblasen.

Das ist es! Deshalb bin ich hier. Salz in der Luft, weite Sicht, raue Wellen und Freiheit.

Ich nehme den berühmten Highway 1 nach Santa Cruz und werde auf der Reise am Meer bleiben solange es geht. Denn weiter in Richtung Süden ist die Küstenstraße leider gesperrt: Bauarbeiten.

Kalifornien

Strand Santa Cruz Kalifornien
Santa Cruz

Unterkunft in Santa Cruz

Ich wohne in Santa Cruz bei Familie Twohig, die in ihrer Villa ein Zimmer bei Airbnb vermieten. Im großen Haus wohnen Großmütter, Eltern und Sohn Tio. Die Twohigs sind selber viel unterwegs und durch ein Jahr durch Europa gereist. Sie teilen meine Faszination fürs „Unterwegs sein“ und werden in diesen Ferien selber noch mit dem Auto einen Roadtrip durch die USA machen.

Surfcity Santa Cruz

Santa Cruz ist eine Stadt, die sich wie ein Dorf anfühlt. Gemütlich und entspannt. Es fühlt sich an, als sich ob der Surf-Vibe über die Stadt gelegt hat, wie eine gemütliche Decke. Stress muss leider draussen bleiben. Und Hektik auch.

Ich liebe diese Stadt seit ich 2014 schon einmal hier war. Und doch kommt sie mir verändert und neu vor, als ich durch die Straßen laufe. Was ist anders? Santa Cruz oder ich?

Meine Wahrnehmung ist scharf und genau. Ich sehe jede kleine Blume am Straßenrand. Immer wieder halte ich an und mache Fotos auf meinen langen Spaziergängen in die Stadt.

Santa Cruz Beach Broadwalk
Beach Boardwalk

Mein Weg führt mich über eine alte Eisenbahnbrücke bis hin zur Kirmes: Den Santa Cruz Beach Boardwalk. Amerikanischer Strand-Kitsch, wie ich ihn liebe. An jeder Ecke wird Zuckerwatte verkauft, Twinkies, Hot Dogs und Pommes. Es gibt ein Kettenkarussel, eine Schiffsschaukel und eine alte Holzachterbahn.

In Kalifornien beginnen gerade die Sommerferien. Viele Familien lassen sich auf dem Gelände der Kirmes treiben und feiern die Ferien am Strand. Obwohl es nur 20 Grad warm ist, rennen die Kinder ins Meer. Ich bewundere sie. Und freue mich, dass ich Zeit habe, ihnen zuzusehen.

Kalifornien California Santa Cruz

Kalifornien Roadtrip
Santa Cruz Beach Boardwalk

Pause für den Stress im Kopf

Im Alltag habe ich oft Stress im Kopf. Und Druck und Hektik. Ich denke ich müsste mal eben dies und jenes. Ich müsste und sollte.

Und all das ist auf einmal weg. Vor der Reise hab ich mich gefragt: Wie wird es sich wohl anfühlen alleine am Strand zu sitzen. Den Kopf in den Wind zu halten. Oder rumzulaufen. Und alles alleine entscheiden zu müssen. Und als der Moment da ist, fühlt es sich richtig und leicht an. Unerwartet perfekt.

Stundenlang laufe ich umher und merke auf einmal, dass es schon 14 Uhr ist. Ich habe bisher nicht gefrühstückt – und es nicht vermisst. Ich überlege woher ich wohl um diese Zeit noch Frühstück bekomme und stehe auf einmal an einem mexikanisches Restaurant. Tacos! Das ist es. Wozu frühstücken, wenn ich gleich Tacos essen kann?

Selbstgemachte grüne Sauce mit Chili tropft herunter und ich frage mich, wann ich zuletzt so gut und entspannt gegessen habe. Es scheint eine Ewigkeit her zu sein. Welch eine Geschmacksexplosion in meinem Mund. Wie habe ich das vermisst!

Im nächsten Teil nehme ich euch mit nach Cambria und Pismo Beach. Und im dritten Teil geht es nach Santa Monica.

Santa Cruz Beach

Santa Cruz Beach Broadwalk

Streetart San Francisco – Spaziergang durch Mission

Mission: Der Stadtteil in San Francisco für alle, die es bunt und lateinamerikanisch mögen. Ich war von der ersten Sekunde an in dieses Viertel verliebt. Stundenlang bin ich durch die Straßen gelaufen und habe Graffitis gesucht – und gefunden. Hier zeige ich euch meine liebsten Ecken in Mission.

Große Städte erkunde ich am liebsten zu Fuß. Schritt für Schritt. Viertel für Viertel. Und in den Ecken, wo es mir besonders gut gefällt, setze ich mich hin und genieße den Ort. So auch auf meiner Reise durch Kalifornien. Der erste Stopp vor meinem Roadtrip war San Francisco. Und den Mission District habe ich ab der ersten Sekunde geliebt. – Aus ganzem Herzen. Auf der Suche nach einer SIM-Karte lief ich die Valencia Street runter und es säuselte immer wieder in meinen Ohren. Alle um mich herum sprachen mexikanisches Spanisch. Als großer Mexiko-Fan war es mir unmöglich wegzuhören.

In jedem Shop steht es dir frei, Spanisch oder Englisch zu sprechen. Oder beides gemischt. Kein Problem. Ich biege auf die 24th Street: Das Herzstück des Latino-Viertels. Bei jedem Taco-Laden läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Es riecht so unendlich gut. Sogar mexikanische Bäckereien gibt es hier. Wer einmal süße Streuselbrötchen in Mexiko probiert hat, versteht mein Glücksgefühl, als ich sie in der Auslage entdecke. Sie schmecken einfach himmlisch.

Mission San Francisco

Streetart in Mission

Ganze Gassen voller Bilder und Graffitis warten in Mission auf euch. Ganze Wände leuchten euch in bunten Farben entgegen: Kunst, die ihr im vorbeigehen bewundern könnt. Wunderschöne Murals, die sich mit den unterschiedlichsten Themen befassen: mit der Kunstszene in Mission zum Beispiel. Viele Bilder sind aber auch große politische Statements. Viele Kunstwerke spiegeln die vielen Schicksale der Einwanderer in San Francisco wider. Menschen, die in die USA gekommen sind. Auf der Suche nach Hoffnung und einer besseren Zukunft. Viele von ihnen haben ihre Familien zurückgelassen, um Geld zu verdienen. Wer sich Zeit nimmt, kann bei einem Spaziergang durch Mission viel staunen und lernen.

 

San Francisco Street Art Mission

Balmy Alley

Zwischen 24th Street, 25th Street und Treat Street und Harrison Street

In dieser kleinen Gasse reiht sich ein Kunstwerk neben das andere. Gelb, gün, orange, lila – leuchtend und grell: Alle erdenklichen Farben reihen sich aneinander. Immer wieder bleibe ich stehen um jedem einzelnen Werk Aufmerksamkeit zu schenken. Denn jedes erzählt eine ganz eigene Geschichte. Die ersten Bilder in dieser Straße sind in den 80ern gemalt worden. – Schon damals haben sich viele der Kunstwerke mit Menschenrechten und Politik beschäftigt. Heute geht es bei vielen der Werke aber auch um den Wandel San Franciscos: Teure Mieten, Gentrifizierung und die Probleme der Bewohner das Leben in ihrer eigenen Stadt bezahlen zu können.

 

Manche Wandbilder erzählen so eine starke Geschichte, dass mir bei ihrem Anblick die Tränen kommen. Ja, ich bin nah am Wasser gebaut. Vor allem die Geschichten der getrennten Paare gehen mir nah. Geschichten über Menschen, die nicht wissen, ob sie sich jemals wiedersehen. Weil einer von beiden versucht, Geld in den USA zu verdienen.

Andere Gemälde sind wiederum so hoffnungsvoll und farbenfroh, dass ich minutenlang davor stehen bleibe, um mich mit der Freude, die sie ausstrahlen aufzuladen.

 

Clarion Alley

Zwischen der 17th und 18th Street und Mission Street und Valencia Street.

Auch in dieser Gasse sind alle Wände voll mit bunten Kunstwerken. Immer wieder trifft man Künstler, die ihr neustes Werk an die Wand bringen. Die unterschiedlichsten Kunst-Stile reihen sich aneinander. Mein Lieblingsbild: Einhörner, die sich küssen und die Demokratie bejubeln. Natürlich unter Regenbogen Farben.

 

Mission San Francisco Mural

Mission San Francisco

Weitere Kunstwerke:

Carnaval Mural – Ecke 24th Street und South Van Ness Ave. Dieses Bild ist auch bekannt als „Golden Dreams of the Mission.“

Women’s Building Maestra Peace Mural – 18th Street und San Francisco.

Ein Kunstwerk, um die Frauen in aller Welt zu würdigen.

Mural Mission Kalifornien

Second Hand Shops

In Mission kannst du endlos Thrift shoppen gehen. Und es macht so viel Spaß! Warum immer neu kaufen?

Richtig günstig ist es im „The Salvation Army Family Store“ und im „Community Thrift“. Das sind eher klassische Second Hand Läden, in denen du viel suchen musst. Wenn du etwas findest, ist es dann aber sofort ein richtiger Schnapper.

Stylish ist der „Buffalo Exchange“ in der Valencia Street. Hier sind die Klamotten ausgewählt und wunderbar sortiert. Dafür aber natürlich etwas teurer. Ich habe bei Buffalo bisher bei jedem meiner San Francisco Besuche etwas gefunden. „Mission Thrift“ ist ähnlich: Hier sind die Kleider sogar nach Farben sortiert. Das sieht echt klasse aus!

Schöne Cafés in Mission

Auf der 24th gibt es unendlich viele Cafés und Restaurants. Leider hatte ich nicht genügend Zeit, in jedem einen Kaffee zu probieren. Aber zwei Cafés möchte ich euch besonders ans Herz legen. Beide befinden sich in dieser Straße.

Philz Coffee

In San Francisco ist Philz ein großer Name: Hier wird der sogenannte Drip Coffee ganz langsam zubereitet. Du suchst dir die passende Kaffeebohne aus und dann wartest du bis der Kaffee für dich durchgelaufen ist. Inzwischen gibt es in Kalifornien mehrere Läden von Philz Coffee. Der erste hat aber im Jahr 2003 in San Francisco – im Mission District. Die Idee dahinter: Trinke den Kaffee, der besonders gut zu dir passt. Also die perfekte Bohne. Obwohl du hier keinen Caffe Latte bekommst, fand ich Philz Coffee außerordentlich gut.

San Francisco Cafe

Haus Coffee

Dieses Café ist der feuchte Traum für alle, die unabhängig am Laptop arbeiten. Ein Café voller MacBook Pros. Eins neben dem anderen. Und hinter den Computern sitzen Menschen, die in die Tasten hauen und vor sich hin denken. Sie sehen wirklich alle sehr produktiv aus. Ich war alleine unterwegs und habe mich an einen der Tische am Fenster gesetzt. Ein Einzeltisch mit Blick auf die Straßen. Stundenlang habe ich hier gesessen und einen Barista-Café nach dem anderen genossen. Günstig ist dieses Café nicht, aber wirklich angenehm. Und lecker.

San Francisco Mission

Mission: Gefühl von einer Reise nach Lateinamerika

Allein die frische Brise in San Francisco erinnert mich daran, dass ich in Kalifornien bin. Und nicht in Mexiko. Und natürlich die hübschen Häuser im typischen San Francisco-Style.

Aber, sobald ich die Augen schließe und nur den Menschen zuhöre, reise ich kurz in mein geliebtes Mexiko. Im Taco-Laden bestelle ich mir alles mit der extra scharfen Sauce. Und während mir deshalb die Tränen kommen, fühle ich die Wärme, die in meinem Bauch aufsteigt. Für mich ist Mission das schönste Viertel in San Francisco. Und das liegt vor allem an den Menschen, die dort leben.

Wedding Diaries 8 – Endspurt und Panik: Was soll schon schiefgehen?

Der September hat angefangen und damit unser großer Monat. Der Countdown läuft, es ist Zeit die letzten Dinge zu erledigen: Sitzordnung, Walzer lernen, Outfits fertigstellen, Deko organisieren, hoffen, dass das Wetter mitmacht… und und und. Die Zeit rennt. Und die Gedankengänge in meinem Kopf schlagen Purzelbäume. Was wäre wenn? Hier gibt’s die ganze Wahrheit über den schön-schaurigen Wahnsinn in diesen Tagen.

Ich wollt doch noch. Hab ich eigentlich schon? Und was ist eigentlich mit? Und wer macht eigentlich? Schaffen wir das alles? Und was, wenn das Brautkleid nicht mehr passt? Was wenn ich hinfalle? Was wenn Leute nicht kommen, ohne abzusagen? Was wäre wenn?

Kein Scheiß. So geht das seit Wochen in meinem Kopf ab und seit der September begonnen hat, ist es noch ein bisschen schlimmer geworden. Auch wenn wir uns diverse Ratgeber durchgelesen haben und ich sämtliche Brautmagazine in diesem Jahr gekauft und durchgearbeitet habe: Es hört nicht auf. Die Aufregung bleibt. Irgendwie auch logisch: Immerhin hat keiner von uns Eventmanagement studiert noch haben wir je so ein Großevent organisiert. Und auch, wenn ich unfassbar viel Spaß an der Planung der Hochzeit habe. Die Angst gehört auch hier einfach dazu. Sie wird immer da sein, wenn ich meine Komfortzone verlasse und etwas neues ausprobiere oder kennenlerne. Seit ich das über mich gelernt habe, ist vieles einfacher. Ich muss die Angst nicht mehr kleinreden, ich kann mit ihr umgehen. Damit sie mich nicht lähmt.

Einatmen. Ausatmen. Hier hilft nur noch ein Realitätscheck. Malen wir uns den Worst-Case aus.

Realitätscheck: Was wäre wenn?

Nehmen wir uns die Szenarios vor: Es kann vieles schief gehen. Ist so.

Was wenn es den ganzen Tag nur regnet und mein Kleid schon zu Beginn des Termins beim Standesamt klatschnass ist? Und wenn der Sektempfang ins Wasser fällt?

Was wenn die Torte nicht geliefert wird?

Oder wenn das Buffet nicht schmeckt? Oder der Wein?

Was wenn der DJ nicht kommt. Oder fast schlimmer: Was wenn er Schlager auflegt?

Was wenn wir uns beim Hochzeitstanz auf die Füße treten – obwohl wir extra zwei Privatstunden genommen haben?

Was wenn am Ende um 1 Uhr morgens keiner mehr tanzen will und die Party vorbei ist?

Und was wenn Plätze leer bleiben, weil Menschen spontan nicht kommen?

Ok, ich merke es selbst: Vieles davon ist unwahrscheinlich und bei einigen Dingen heisst es dann am Tag der Tage einfach: Deal with it. Tanz im Regen. Tanz weiter, schieb die Tische zur Seite und lach dem Tag ins Gesicht.

Denn das schlimmste wäre doch: Was wenn Raphael und ich am 22.09.2017 keinen Spaß an unserer eigenen Feier hätten? Oder Migräne vor zu viel Stress in den Tagen davor?

Nein. Das geht gar nicht. Und ich werde alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt. Deshalb schreibe ich diesen Text.

Ich muss damit klarkommen, dass wir noch so viel planen können und am Ende doch alles anders wird. Alles wird gut. Aber auf seine ganz eigene Art und Weise. Und wenn wir jetzt schon genau wüssten, wie es uns in einer Woche am Tag nach der Party geht, dann wäre das ziemlich langweilig, oder?

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Gedankensamba

So sieht das im Moment in meinem Kopf aus. Es ist aufregend. Es ist unbekannt. Es ist neu. Es brennt und es wärmt.

Aber am Ende ist leicht zusammengefasst, was wirklich zählt. Was ich mir für uns und die Gäste wirklich von unserem Hochzeitstag wünsche. Und dabei geht es nicht mehr um Tanzschritte oder Essen. Und auch nicht um Regen.

Ich wünsche mir, dass unsere Familien danach keine Fremden mehr sind.

Dass wir gemeinsam lachen.

Und am Abend: Schmerzende Füße von stundenlangem Tanzen.

Ich wünsche uns einen Regen aus Seifenblasen.

Gänsehaut im Herzen.

Und Spontanität und Großherzigkeit.

Ich wünsche uns Schmetterlinge im Bauch.

Liebe, die uns zu Kopf steigt.

Und Freudentränen.

Ich wünsche uns einen unvergesslichen Tag, der unser Herz mit zauberhaften Erinnerungen füllt.

Verlobte Hochzeitsblog

Nachtrag: Und am Ende wurde alles gut! Sowohl am Morgen als auch am Tag der Hochzeit. Die Hochzeit war viel schöner als jemals erträumt. Liebe Bräute: Habt keine Angst. Genießt euren schönsten Tag.

Freie Trauung Hochzeit Gut Hebscheid
Was wäre wenn am Ende alles gut wird? Inklusive Meer aus Seifenblasen

Tipp:

Den gibt’s überall. Aber er ist wirklich immer brauchbar! Bindet viele Leute ein. Holt euch Hilfe! So konnte ich mich zumindest immer darauf besinnen, sobald Stress aufkam: Wir sind nicht allein! Viele Verwandte helfen uns. Alles wird gut.

Foto: Martin Permantier

Gedanken: Mein Abschied vom Sommer

Das helle Licht küsst mich auf die Wange. Ein letztes Mal. Die Sonne verschwindet hinter den Häusern, hinterlässt ihren warmen Duft nach „alles ist möglich“ und ich höre sie rufen: „Bis nächstes Jahr! Liebe Grüße, dein Sommer. XOXO.“ Während es dunkler wird, breitet sich die Leere in mir aus. Und der Schmerz krabbelt meine Arme hoch.

Ernsthaft? Das soll es gewesen sein? Einsam stehe ich auf meinem Balkon aus Stein. Die alten Mauern speichern die Restwärme und verwandeln mein Sommerglück in Abschiedsschmerz. Wohin gehst du? Warum lässt du mich allein? Wirfst mich weg und es wird laufen wie jedes Mal. Mein Herz kann nicht ohne dich. Wenn du in neun Monaten wieder an mein Fenster klopfst, werde ich erwachen mit klopfendem Herzen. Werde dir die Türen und Fenster öffnen und es zulassen, dass deine Schönheit mich high macht. Wieder. Wie jedes Mal – seit 32 Jahren.

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Es ist als hätte ich nichts gelernt. „Verschließ dein Herz, haben sie gesagt. Lass nicht zu, dass du zu seiner Marionette wirst. Willenlos. Dass du all deine Pläne änderst sobald er da ist. Lass es nicht zu.“ Und während sie mich warnen, nehme ich dich bei der Hand. Immer wieder. Tanze mit dir durch den warmen Sommerregen, wenn das Wasser sofort verdampft. Wenn der Regen das Gesicht streichelt und die Luft sogar in der Großstadt für einen kurzen Moment duften lässt, wie mitten in der grünen Natur. Stehe am Rhein, lasse den Blick in die Ferne wandern und fühle mich auf einmal wie am Meer. Geblendet von der Schönheit meiner Umgebung und dankbar hier sein zu dürfen.

Ich habe gelernt: Mein Herz ist in diesem Fall unbelehrbar. Weil du es mit Konfetti bewirfst. Immer wieder. Weil deine warmen Sonnenstrahlen, zauberhafter sind, als die schönste Schneeflocke. Weil ich morgens aus dem Bett springe und dem Tag ins Gesicht lachen kann. Denn du bist da und sorgst dafür, dass das Leben heller ist. Sorgst dafür, dass sich der Alltag für einen Moment nicht anfühlt, wie ein Sack voller Zement. Weil das geschmolzene Eis neben der Waffel mir zeigt, wie kostbar die schönsten Momente sind.

Dir kann ich nie böse sein, denn du bringst mich dazu die Ängste zu überwinden. Wellen anzupaddeln, nachts in kleine Boote auf dem Meer zu steigen und ohne Ziel loszureisen. Denn du gibst mir dieses Gefühl von „alles wird gut.“

Ich weiß, ich soll dich nicht glorifizieren. Aber für mich ist es nicht, wie andere sagen: Du warst nicht früher attraktiver oder sonniger oder heller. Du bist wunderbar, unendlich schön – mit all deinen Gewitterwolken, Hitzewellen und anderen Macken.

Komm wieder, lieber Sommer. Dann weiß zumindest ich worauf ich warte. Jeden Tag. Ich vertraue dir. Bisher hast du jedes Mal Wort gehalten.

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Sommer in Panama

Fotos: Raphael Timm

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll. Andere Menschen und ihre Perspektiven auf das Leben. – Was für eine große Bereicherung. Manche Sätze können die eigene Sichtweise für immer verändern.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

„You have to commit to the wave“ – Carlos Santana

Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert).

Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Ein ganz normaler Tag in Kalifornien

Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“

Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

„Bigger board more fun“ – Andy

Bali, Indonesien

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: “Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt.

Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste` en

Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn auf unserer Reise durch das wunderschöne Neuseeland kennenzulernen.

Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Passion: Wichtige Sätze sammeln

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier