Nordseeinsel Juist: Das perfekte Reiseziel, um Alleinsein zu üben

Spontan bin ich im Herbst 2018 an die Nordsee gefahren: Mit dem Zug und der Fähre. Und ich habe festgestellt: Ich hatte jahrelang viel zu viele Vorurteile, die mich um die halbe Welt getrieben haben. Dabei ist es auch an der deutschen Küste wunderschön. Juist ist der perfekte Ort für Menschen, die alleine reisen wollen – sich bisher aber nicht getraut haben. Das perfekte Reiseziel für den Test: Ist alleine reisen etwas für dich?

Warum immer weit weg, wenn es auch in Deutschland schöne Reiseziele gibt? Das haben mich jahrelang Menschen in meinem Umfeld gefragt. Und ich muss zugeben: Ich hatte keine gute Antwort darauf. Die Nordsee lag irgendwie einfach außerhalb meines Planungsgebiets. Und ich hatte viele Vorurteile: „Nordsee gleich spießig… langweilig… zu wenige Berge… zu deutsch…“

Aber es reicht mir auf Dauer nicht, mich auf den Vorurteilen auszuruhen. Urteile über nichts, das du nicht kennst! – Das ist eins meiner Mottos. Und nachdem mir immer mehr Menschen von der Zauberinsel Juist vorgeschwärmt haben, habe ich relativ spontan ein Zugticket nach Norddeich Mole gebucht. – Für Oktober 2018. Wer einmal allein verreist ist, läuft Gefahr, daran Freude zu entwickeln. Es macht süchtig.

Die Anreise mit Zug und Fähre

Im neuen Doppelstock-InterCity sitze ich oben. Wir lassen das Ruhrgebiet hinter uns und die Landschaft wird immer flacher. Überall Ortsnamen, von denen ich noch nie gehört habe. Leer. Norden. Schlechtes Gewissen macht sich breit, weil ich wirklich viele Teile Deutschlands noch gar nicht kenne. Aber dann schiebe ich das Gefühl beiseite, denn ich tue ja gerade etwas dagegen und besuche einen neuen Ort. Genauer gesagt zwei, denn ich übernachte einmal in Norddeich, um am nächsten Vormittag die Fähre zu nehmen.

Schon die Buchung der Pension in Norddeich war ein Abenteuer! Kurz vor der Anreise hatte mich aufgebracht eine Frau angerufen, ob ich denn tatsächlich an ihrem Ruhetag am späten Nachmittag anreisen wolle? Eigentlich sei die Anreise am Montag nur bis 10 Uhr morgens möglich. Soweit – so unpraktisch, denke ich bei mir und stelle fest: Das ist mir tatsächlich noch nirgendwo auf der Welt passiert. Aber Freundlichkeit siegt auch hier. Und ich werde in die Pension gelassen.

Die Fähre am nächsten Vormittag ist rappelvoll. Irgendwo sind immer Ferien. Bei den Gepäckwagen gebe ich meinen kleinen Trolli ab, denn das ist so gedacht: Alle Koffer werden sicher verstaut und man bekommt ihn erst auf der Insel wieder. Merke dir den Wagen, denn sie sehen alle gleich aus. Und beim Ausladen hilft dir niemand.

Ich setze mich an Deck in die strahlende Sonne und schaue zu, wie wir im Schneckentempo in Richtung Insel schippern. Das mag ich. Das ist gemütlich und entspannt: Und sofort macht sich Urlaubsfeeling bei mir breit.

Urlaubsfeeling an Bord

Das Salz in der Luft. Der Wind. Das Meer. Die Möwen. Wenige Wolken. Nur der Fakt, dass alle um mich herum deutsch sprechen, verwirrt mich.

Nach 90 Minuten gehen wir pünktlich von Bord. Im Fährhaus zahle ich sofort meinen Tourismusbeitrag für den Aufenthalt. Praktisch, denn so kann ich ins Schwimmbad gehen, das im Beitrag enthalten ist. Und bei der Abreise muss ich mich darum nicht mehr kümmern. Gut, dass eine Freundin mich vorher mit diesen Tipps versorgt hat. Sonst hätte ich sicher einige Fehler gemacht bei der Anreise. Ganz schön viele Regeln für so eine kleine Insel.

Juist Nordsee Sonnenuntergang

Juist Dorf sonnenuntergang

Meine Unterkunft

Mit meinem Trolli im Gepäck laufe ich über die Insel. Die Räder von meinem kleinen Koffer kommen mir heute unglaublich laut vor. Vielleicht liegt das daran, dass es ansonsten hier so ruhig ist. Keine Autos weit und breit. Nichts als Wind und Pferdegeklapper. Juist ist autofrei und auch die Taxen hier sind Pferdekutschen. Viele Menschen sausen mit ihren Fahrrädern durch die Gegend. Es riecht nach Salz und Pferdeäpfeln.

Nach fünf Minuten Fußweg komme ich am Ziel an: Am Nordseehotel Freese. Schon in der Eingangshalle mache ich eine kleine Zeitreise: Der Boden besteht aus wunderschönen Kacheln aus einer anderen Zeit. Rechts stehen Sessel mit buntem Blumenmuster bedruckt. Und von den Stühlen im Restaurant springt mich ein 90er Jahre Stoff an. Hier haben sich gleich mehrere Jahrzehnte verewigt.

Mein Einzelzimmer befindet sich im ersten Stock – und ist klein, aber klein. Und fein auch. Ich mag es – auch wenn ich nichts gegen mehr Platz gehabt hätte. Aber Juist ist teuer. Und schon der Preis von diesem Zimmer hat mich bei der Buchung schlucken lassen. Der erste Test des Betts überzeugt aber sofort: Es ist unglaublich gemütlich, obwohl es kein bisschen danach aussieht.

Nordseehotel Freese Pool JuistNachdem ich mich eingerichtet habe, werfe ich mir Bikini und Bademantel über und gehe in den Pool.

Niemand da. Außer mir.

Ich genieße das Wasser und fühle mich schwerelos. Mit jedem Zug, den ich schwimme lasse ich ein bisschen Alltag hinter mir. Perfekt.

 

Alleine frühstücken im Hotel

Nachts schlafe ich so tief, wie seit Jahren nicht mehr. Liegt es an der Ruhe auf der Insel? Oder am Bett? Oder an meiner aufgestauten Müdigkeit? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich seit Wochen nicht so gut geschlafen habe. Und mich überkommt das Gefühl, dass die Insel etwas damit zu tun hat.

Mit meinem Buch bewaffnet, gehe ich zum Frühstücksbuffet. Und bin erstmal aufgeschmissen, weil ich keine Ahnung habe wo ich sitze. Ein junger Mitarbeiter, der höchstens 20 ist, bringt mich zu meinem Platz. Und liest mir jeden (Kaffee-)wunsch von den Augen ab.

Nordseehotel Freese Frühstück

„Latte Macchiato?“ „Noch einen Kaffee?“ „Noch einen Wunsch?“

Für die nächsten drei Tage wird er mein bester Bekannter im Hotel. Ich bin eindeutig die jüngste Alleinreisende hier und das scheint ihn zu erfreuen. Ob er denn aus Juist sei, frage ich ihn. „Gott bewahre“, antwortet er. Er sei ja wohl aus Bremen. Und keiner, ob er ewig auf Juist bleibe.

Ich verstehe: Er findet es auf der Insel zu ruhig, um auf die Dauer zu bleiben. Das Gefühl kenne ich von früher. Und zack – fühle ich mich für eine Sekunde alt. Dann muss ich grinsen.

Ich probiere mich quer durch das leckere Buffet und genieße die Zeit. In Ruhe Frühstücken – das ist für mich ganz besonderer Luxus. Und das macht auch alleine Spaß. Nach dem dritten Kaffee, Rührei, Brötchen, Bacon, Obstsalat, Quark und 50 Seiten in meinem Buch, rolle ich zurück in mein Zimmer und überlege was als Nächstes ansteht.

Eins nach dem anderen. Wenn du alleine unterwegs bist, musst du nicht auf die Bedürfnisse anderer achten. Nur auf deine eigenen.

Juist Strand Nordsee

Die Insel Juist

Das Dorf auf Juist ist klein und gemütlich. Hier kann man sich sofort gut zurechtfinden und wohlfühlen. Auf der einen Seite der Strand. Auf der anderen der Hafen und die Wiesen. Dazwischen lauter Hotels, Ferienwohnungen, Radvermietungen, Geschäfte, Restaurants und ein Yoga-Studio: Also wirklich alles was das Herz begehrt. Und solange man in der Nähe des Ortes bleibt: Keine weiten Wege.

Überall strahlende Gesichter und Menschen, die dich grüßen. – Obwohl sie sich noch nie gesehen haben. Das scheint man hier so zu machen und es ist wirklich angenehm: Familiär! Auch im dunklen fühle ich mich immer sicher hier im Dorf.

Strandkorb Juist Nordsee

Der Juister Strand

Am zweiten Tag gehe ich bei strahlendem Sonnenschein und 18 Grad mittags an den Strand. Eigentlich will ich das Abenteuer Strandkorb ausprobieren. Es ist mir schleierhaft, warum Menschen sich in einen Strandkorb setzen.

Vielleicht liegt das daran, dass wir immer Campingurlaub gemacht haben. Allerdings ultra-basic. Ohne Campingstühle oder Tisch. Man hat grundsätzlich auf dem Boden gesessen – oder am Strand gelegen. Das war immer so.

Am Strand liege ich gerne herum – in einem Strandkorb kann man ja nur sitzen. Warum tut man das?

Mein kühnes Vorhaben, das herausfinden zu wollen, wird enttäuscht: Ich frage in einem kleinen Wohnwagen nach einem Strandkorb und der Mann brummelt mir entgegen: Alle vermietet.

Kein Strandkorb für mich.

Es war einen Versuch wert!

Am Fuß einer Düne lege ich mich auf mein Strandtuch und komme an: An den vielen meiner Lieblingsorte – den Stränden dieser Welt. Da fühle mich sofort zu Hause. Der Blick schweift in die Ferne. Auf das Meer. Das bricht Barrieren auf. Alle Zweifel, alles „was wenn“ vergeht mir, wenn ich am Meer bin. Es fühlt sich nach unendlichen Möglichkeiten an. Und nach neuen Wegen. Die Ideen kommen wie von allein angetanzt, während die Möwen nach essbarem suchen und die Wellen unaufhörlich am Strand brechen. Alles fügt sich perfekt zusammen.

Erst als die Sonne auf meinen Kopf brennt, als wäre es Juli, stehe ich auf und gehe zurück in den Ort.

Meer Juist Strand Strankorb

Waffeln und Nostalgie

Im Lütjes Teehuus esse ich eine Waffel mit Kirschen, Eis und Sahne und trinke dazu einen Milchkaffee. Hier ist es gemütlich und lecker. Und gleichzeitig sehr voll. Der Ruf eilt dem Ort voraus. Die meisten der Gäste sehen aus, als würden sie seit ihrer Kindheit herkommen und Waffeln verputzen. Inzwischen gibt es für diese Leute dazu den Kaffee mit Baileys.

Juist Teehaus Ostfriesentee

Yoga auf Juist

Meinen Plan ein paar ruhige Tage auf Juist zu verbringen, möchte ich gerne mit einer Yoga-Stunde krönen. An der Tür zum Yoga-Raum-Juist steht ganz entspannt: Einfach 10 Minuten vor Beginn der Stunde vorbeikommen – und mitmachen. Das gefällt mir und meiner Spontanität in diesen Tagen auf der Insel.

Kurz vor 17 Uhr gehe ich hinein und nehme an einer Stunde mit Dorothee teil. Insgesamt sind wir drei Teilnehmer. 90 Minuten lang dehnen wir uns, kommen zur Ruhe und sind ganz bei uns. Der Tag könnte schöner nicht enden, denke ich, als ich mit Ruhe im Herzen das Studio verlasse und mich des Lebens freue. Darum geht es hier: Entschleunigung. Zeit mit mir. Und sonst nichts. Jedenfalls für mich. Wie schön, denke ich, dass ich schon im Frühling zurückkomme, um hier Yoga und Pilates zu machen.

Wanderung zur Domäne Bill

Das wunderschöne sonnige Wetter bleibt mir erhalten. Und ich fühle mich verpflichtet, noch ein wenig mehr der Insel kennenzulernen. Ein Tipp, den ich von mehreren Seiten bekommen habe, war ein Besuch in der Domäne Bill. Dahin sind es vom Dorf aus allerdings einige Kilometer. Das bedeutet: Wandern. Und – es ist kein Geheimnis: Wandern ist nicht mein Ding. Aber die Neugierde siegt, ich ziehe meine alten Turnschuhe an und laufe los: An der Landseite entlang, immer weiter bis Loog. Und danach an der rechten Seite des Hammersees entlang.

Ab hier tun mir die Füße weh und ich verfluche meine Neugierde. Rechts und links Büsche und Gestrüpp. Und ein Weg, der nicht enden will. Und ich fühle mich für einen kurzen Moment einsam. Alle Bänke, an denen ich vorbeikomme, sind von Pärchen belegt. Also weiterlaufen. You can do it. Als ich schon gar nicht mehr damit rechne, erblicke ich ein Haus – davor viele Fahrräder und ein Pferdetaxi.

 Domäne Bill! Es gibt dich wirklich!

Ich setze mich dankbar ins Restaurant und verputze den Klassiker, den hier alle bestellen: Den hausgemachten Stuten mit Marmelade und ganz viel Butter. Und er schmeckt wirklich vorzüglich! Dabei mag ich eigentlich gar keinen Stuten. Keine Ahnung, ob das an meiner Müdigkeit liegt oder an diesem Rezept. Es ist, als hätte ich nie was besseres gegessen.

Strand Juist Sonnenuntrgang Oktober

Nach einer Stunde mache ich mich auf den Rückweg. Diesmal geht es am Strand entlang. Und es ist wie immer: Kaum sehe ich das Meer, ist die Müdigkeit wie vergessen. Und ich genieße jede Sekunde der Wanderung. Der Strand auf Juist wirkt unendlich. Ich habe viel Platz für mich alleine. Nur von weitem sehe ich hier und da einen Menschen. Welch ein Luxus!

Das Licht wird wärmer, der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Sonne spiegelt sich auf dem Meer und dem Wasser, das sich noch vor dem Meer sammelt. Ich quietsche vor Freude bei dem Anblick und kann mein Glück nicht fassen. Wie kann ein Strand nur so schön sein? Und wie kann es sein, dass die Sonne jeden Tag mit so einem Spektakel untergeht – an so vielen Orten auf der Welt? Es prickelt und sprudelt vor Freude in mir. Gänsehaut macht sich im Herzen breit. Und ich versuche möglichst viel von dem Gefühl einzuspeichern – für schlechte Tage.

Denn dieses Gefühl bekomme ich tatsächlich nur am Meer. Und es ist unbezahlbar.

Juist Strand

Die Abreise und Melancholie

Nach drei Tagen stehe ich wieder am Hafen und laufe auf die Fähre. Mit einer alten Frau teile ich mir einen Tisch unter Deck. Eine der vielen allein Reisenden auf Juist, wie ich. Der Kapitän begrüßt uns und wirft den CD-Player an. Und auf einmal scheppert James Last aus den Boxen. Die Töne legen sich um mich wie ein Mantel aus Melodie. Kuschelig und warm. Und gleichzeitig voller Abschiedsschmerz und Freude über das Erlebte. Wie eine Welle ergreift mich die Melancholie.

Ich schaue mich um und merke, dass es mir geht wie den meisten hier. Ich bin eine von ihnen geworden. Der Juister Zauber hat mich bekommen und komplett eingenommen. Mit all seiner schönen Spießigkeit. Ich klappe mein Buch auf und freue mich schon auf den nächsten Besuch im Frühling. Wie die alte Dame gegenüber auch.

Sonnenuntergang Sunset Juist Germany

Tipp für eure Reise nach Juist: Pilatesurlaub

Im Frühling habt ihr die Chance Juist kennenzulernen und die Reise mit einem Pilatesurlaub zu verbinden. Carolin veranstaltet dazu zwei Retreats! Auch ich werde bei einem der beiden dabei sein. Plätze frei sind allerdings nur noch im ersten Retreat: Und zwar vom 20. bis zum 24. April 2019. Meldet euch schnell an. Weitere Infos findet ihr hier.

Das ist eure Möglichkeit eine Auszeit am Meer mit einem Wellness-Pilates-Urlaub zu verbinden. Insgesamt nehmt ihr an acht Kursen Teil: Yoga und Pilates. Ihr habt Anschluss an andere Teilnehmer des Pilatesurlaubs und könnt trotzdem den restlichen Tag, wenn gerade keine Kurse stattfinden, alleine genießen und Abstand vom Alltag bekommen. Ich freue mich schon total darauf! Wer kommt mit? Essen und Unterkünfte organisiert jeder für sich selbst.  Für die tägliche Portion Yoga und Pilates mit netten Menschen ist gesorgt.

Unterkünfte und Essen auf Juist

Unterkünfte auf Juist gibt es viele, aber günstig sind sie alle nicht. Es kommt vor allem darauf an was ihr sucht: Wollt ihr selber kochen und dadurch sparen? Dann lohnt sich in jedem Fall eine Ferienwohnung. Falls ihr lieber faul sein möchtet, kann ich euch Pensionen mit Frühstück – oder auch mein Hotel ans Herz legen. Ich habe mich im Nordseehotel Freese sehr wohlgefühlt, auch wenn ich die jüngste Alleinreisende dort war.

Das Personal war sehr nett, locker und hilfsbereit. Der Pool ist klasse, es gibt sogar eine Sauna und wer will kann sich Wellness-Pakete buchen. Ich hatte dort eine unvergessliche Zeit – auch wenn mein Zimmer sehr klein war.

Juist ist eine Insel – das Essen, das dorthin gebracht wird, legt einen weiten Weg zurück – unter anderem mit der Fähre. Das sollte man sich immer bewusst machen, wenn man einen Blick auf die Speisekarten wirft. Die Restaurants sind teurer als am Festland und es gibt viel Fastfood und „Klassiker“ wie Burger oder Spaghetti Bolognese. Da ich diesmal nur in wenigen Restaurants war, kann ich noch kein abschließendes Urteil fällen. Das kommt beim nächsten Mal.

Es gibt aber auch ein paar Supermärkte, die mit „Festlandpreisen“ werben. Da können sich alle eindecken, die eine Wohnung mit Küche haben. Das ist definitiv die günstigste Variante.

 

Sonnenuntrgang Nordsee Meer Wattenmeer Juist

Snowboarden im Kleinwalsertal: Ein Traum im Januar

Ich liebe das Kleinwalsertal! Bisher war ich allerdings nur im Winter dort: Bei Schnee. Snowboarden kann man da wirklich ausgezeichnet. Hier habe ich einige Tipps für euch zusammengefasst.

Meine erste Erinnerung an das Kleinwalsertal stammt aus dem Jahr 2001. Damals waren wir mit der Schule mit der gesamten Stufe in Hirschegg im Schöntalhof und seitdem lässt mich das Kleinwalsertal nicht mehr los. Man fährt an Oberstdorf vorbei, sieht die Schanzen vom Skrispringen von weitem und dann geht es langsam ins Tal hinein. Immer weiter den Berg hoch und schon ist man in Österreich. Rechts und links sieht man ein erst ein paar Schlepplifte und dann auch die großen Gondeln – zum Beispiel hoch zur Kanzelwand. Auch wenn es durchaus größere Skigebiete gibt: Für mich ist das Kleinwalsertal von der Größe her ideal und Ende Januar ist es dort – bisher – ziemlich schneesicher.

 Für wen eignet sich das Kleinwalsertal?

Man kann hier sowohl Ski- als auch Snowboard fahren und es gibt ausgezeichnete Strecken für Rodler. So gesehen eignet sich das Kleinwalsertal für alle: Anfänger finden hier genügend blaue Pisten und Fortgeschrittene kommen auf den Bergen auf ihre Kosten: Auf 130 Pistenkilometern kann man die unterschiedlichsten Aussichten genießen. Für Familien gibt es außerdem genügend Skischulen, die extra Angebote für Kinder haben.

Ausblick auf dem Walmendingerhorn

Wie komme ich von Berg zu Berg?

Wenn man im Urlaub im Kleinwalsertal wohnt, bekommt man an der Unterkunft eine “Allgäu Walser Card”. Damit kann man im Kleinwalsertal umsonst mit den Bussen von Bergbahn zu Bergbahn fahren. – Und für die Fahrt nach Oberstdorf gibt es damit vergünstigte Tickets. Außerdem gibt es zwischen manchen Bergen Verbindungswege, über die man – vor allem als Skifahrer – einfach von A nach B kommen kann, ohne in einen Bus zu steigen. Eine Übersicht über die Berge und Lifte findet ihr hier: www.kleinwalsertal.com

Ausblick vom Ifen

 Welche günstogen Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

 

Ich würde jedem empfehlen im Kleinwalsertal eine Ferienwohnung zu mieten. – Auch weil man unfassbar viel Geld sparen kann, wenn man vorher in der Heimat einkaufen geht und vor Ort alles für Frühstück und Abendessen dabei hat: Auf den Hütten ist das Essen – auch wegen der tollen Lage – sehr teuer. Es lohnt sich auf der Piste Müsliriegel oder geschmierte Brote dabei zu haben und Abends was leckeres zu kochen. Die Lifte schließen sowieso gegen 16:30.

Mir persönlich gefällt Mittelberg besonders gut, weil man hier einen tollen Blick auf die Dorfkirche und das Tal hat. Aber in jedem der Orte kann man sich die unterschiedlichsten Ferienwohnungen mieten – viele davon befinden sich direkt an der Piste, so dass man sich nur die Skier oder das Board anschnallen muss und schon geht es los. Auch über Airbnb findet man ein paar Schnäppchen. Viele Ferienwohnungen kann man aber vor allem über die Internetseite vom Kleinwalsertal buchen.

 

Ausblick von unserem Apartment in Mittelberg

Was macht das Kleinwalsertal aus?

Im Kleinwalsertal ist das Leben gemütlich und und die Menschen vor Ort sind tolle Unikate. Unser Gastgeber Thomas zum Beispiel geht oft mit seinem kleinen Hund Billie auf der Schulter rodeln. Das sieht dann aus als wäre der Hund eigentlich ein Papagei und jeder erkennt die zwei schon von weitem. Ein unfassbar netter Host, der einem in seinen Ferienwohnungen das Gefühl gibt zu Hause zu sein.

Damals nachdem wir mit der Schule im Schöntalhof waren, hat unsere Sportlehrerin auf einmal verkündet, dass die auswandert. Nach Österreich ins Kleinwalsertal. Sie hatte sich nämlich in den Wirt aus dem Schöntalhof verliebt und wollte von nun an bei ihm wohnen. Geschichten, die das Leben schreibt. Ich hoffe, sie sind glücklich geworden. Diese Menschen und die Berge: Der Ifen, die Kanzelwand und das Walmendingerhorn, die alle total unterschiedlich sind, die für mich das Kleinwalsertal ausmachen.

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Einer der Snowboard-Wege

Wiedersehen mit dem Ex: Ein Wochenende in Köln

Die erste Liebe bleibt für immer, so heisst es doch? Wie ist das denn mit der ersten Stadt, die einem das Herz gestohlen hat. Wie ist das zum Beispiel bei mir mit Köln? Hier habe ich zehn Jahre gelebt, gelacht, geweint und bin ein Stück meines Weges gegangen. Diese Liebe hat sich bis heute in meinem Herz eingenistet. Und ich glaube, dass sie bleiben wird.

Mit Köln verbinde ich unzählige emotionale Momente und weg wollte ich eigentlich nie. Aber der Job und das Radioherz wollten es anders und deshalb habe ich vor 3 Jahren mein WG-Zimmer in der Lindenstraße in Köln aufgegeben. Es hat sich damals wirklich wie „Schlussmachen“ angefühlt.

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Mein Köln

Am Wochenende war es nach langer Zeit soweit: Ich bin aufgeregt und mit Kloß im Hals zurückgekehrt. – Wie zu einer Liebschaft, mit der es einfach nicht gelingen sollte eine gemeinsame Zukunft zu haben – Ihr wisst schon: Job in einer anderen Stadt… Fernbeziehung – zu kompliziert.

Es fühlt sich wie heimkommen an

Als sich mein Zug über die Brücke zum Hauptbahnhof schiebt, fühlt es sich wie „heimkommen“ an. Nur, dass ich keine Wohnung hier mehr habe. Ich werde bei meinem Bruder im Studentenwohnheim in Deutz unterkommen. Da war ich auf mindestens 10 Partys – vor Jahren.

Als ich in die Wohnung komme, ist es als wäre die Zeit stehengeblieben: Der gleiche grüne Plastikboden, die gleichen Multifunktionsmöbel, die aussehen wie zu groß gewordene Kindergarteneinrichtung. Material: Helles, massives, unkaputtbares Holz. An den Wänden kleben unzählige von diesen Postkarten, die es in Bars umsonst gibt und dazwischen Bilder von Menschen, die keiner der aktuellen WG-Besetzung mehr kennt. Auf dem Klo hängen groß und breit zwei Anleitungen, dass man doch bitte die Klobürste auch benutzen solle, sie stünde da nicht nur zur Zierde. Ich muss grinsen und freue mich heimlich, dass es in WGs – ganz gleich wer da wohnt – immer die gleichen Probleme gibt. Das gehört einfach dazu.

Flashbacks in WG-Zeiten

In meinem Kopf ploppen Bilder aus meinen WGs auf: Das erste Jahr im Turm an der Sporthochschule, wo ich gelernt habe mit wie wenig Platz man auskommen kann, wenn man muss. Mein Zimmer war 8 Quadratmeter groß, die Küche, die wir uns geteilt haben noch kleiner und im Bad konnte man sich nicht umdrehen. Dafür hatte man von meinem Zimmer im zehnten Stock immer mal wieder das Gefühl, man würde wie Aladdin auf einem fliegenden Teppich schweben: Wenn du oben auf dem Hochbett gelegen hast und aus dem Fenster geschaut hast, konntest du über das Stadion hinweg bis zum Dom schauen. Unvergesslich und gleichzeitig nur ein kleiner Zwischenstopp bis ich die WG in der Lindenstraße gegründet habe.

Lieblings-WG: Lindenstraße

Für mich ist das noch immer die schönste Wohnung der Welt: Im 5. Stock gelegen – natürlich ohne Aufzug und wir waren die ersten, die dort leben durften. Am Anfang roch alles nach dem neuen Parkettboden. Das Herz der Wohnung ist die große, helle Wohnküche, in die wir irgendwie noch ein Schlafsofa für Gäste gequetscht haben. Die meiste Zeit habe ich dort mit Freunden am alten runden Küchentisch verbracht. Stundenlang haben wir „gelernt“, Kaffee getrunken, gespätstückt, über Männer lamentiert, vieles besser gewusst als alle anderen, uns getröstet oder gemeinsam gelacht. Mal zu zweit. Mal zu zehnt. Es hat immer gepasst.

Von der Wohnung aus konnten wir praktisch in die Uni fallen, ins Hochschulradio oder an den Aachener Weiher. Das ist für mich noch immer mein alter Vorgarten. In manch einem Sommer haben wir da jeden Abend gegrillt und im Gras rumgelegen. Um es mit den Worten von Bosse zu sagen: „Das war die schönste Zeit.“ Das stimmt aus der jetzigen Sicht, aber fest steht: Natürlich verklärt es alles zu einem positiven Brei mit den Jahren Abstand, die dazwischen liegen. – So als hätte socj von ganz allein ein Instagram-Filter darüber gelegt, der alles weich zeichnet, so dass man nur noch alles Schöne sieht.

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Aachener Weiher

Weisst du noch? Erinnerungen schlagen wie Blitze ein

Am Samstag strahlt die Sonne mit sich selbst um die Wette – Köln hat sich noch schöner gemacht als es eigentlich ist. Wir laufen durch die Innenstadt und mein altes Viertel. Wie kleine Blitze schlagen die Erinnerungen dabei ein: „Pssst: Weisst du noch, wie du im November bei Kälte barfuß durch die Lindenstraße gelaufen bist, weil du auf den hohen Schuhen nach der Party nicht mehr gehen konntest?“ „Ja, ich weiß. Ich kann noch immer nicht auf High-Heels laufen.“

„Und weisst du noch, wie du an der Ecke mitten in der Nacht auf den einen Kerl gewartet hast, obwohl du eigentlich wusstest, dass das ne blöde Idee war?“ „Jaaa, danke. Daran wollte ich eigentlich nie mehr denken.“ „Uuuund weisst du noch, wie du noch mit 24 Jahren im Roseclub nach dem Ausweis gefragt worden bist? Wenn du da dienstags immer hingerannt bist, um wieder und wieder die gleiche Indie-Mucke zu hören? Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs… Mando Diao?“ „Hm ja. Roseclub. Gibts nicht mehr. Hat wohl doch irgendwann jemand gemerkt, dass die Musik gerade out ist. Schade eigentlich. Aber wenn ich ehrlich bin, würde ich auch nicht mehr hingehen.“

Alles fängt an sich im Kopf zu drehen. Das war eigentlich nicht alles schön, denke ich, durchbreche die Nostalgiewand und bin kurz ehrlich zu mir selbst.. Aber es war eigentlich alles wichtig. Es waren viele wertvolle Erfahrungen dabei.

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Straßenfest

Wegbier am Brüssler Platz

Am Abend laufen wir über ein Straßenfest, danach gibt es Schnitzel und dann Bier auf die Hand. Es ist einer dieser wenigen lauen Sommerabende, wo du dir die Bar komplett schenken kannst und einfach von Platz zu Platz ziehst, weil es warm genug ist draußen zu sitzen. Das Leben fühlt sich leicht an und ich beginne durch die Straßen zu tanzen. Montag? Gibt es nicht mehr, oder? Von mir aus könnte es ewig so weitergehen. Wenigstens für einen kleinen Moment bilde ich mir ein, dass die Zeit still steht, dass das einer von vielen Tagen in Köln ist. – Und dann falle ich ins Bett und merke, dass schon Sonntag ist. Ich muss bald zurück.

Die letzten Stunden verbringen wir am Rhein. War hier nicht immer alles dreckig und unfertig? Eine schöne Promenade gab es doch früher immer nur in Düsseldorf. Jetzt nicht mehr. Von Deutz aus kannst du jetzt den Dom in all seiner Pracht bewundern, während du auf den breiten Stufen der neuen, leuchtenden Promenade sitzt. Wahnsinn. Ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass das noch passiert. Aber geil! Die Zeit bleibt offenbar doch nicht stehen. Die Stadt ist mit den Jahren noch schöner geworden.

In Köln kann ich “ich” selbst sein

Ach Köln, du schnodderiges, einfaches und doch so bezauberndes Ding. An keinem anderen Ort in Deutschland habe ich so sehr das Gefühl „ich“ sein zu können wie hier. Mal zufrieden, mal auf der Suche nach neuer Inspiration. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Leben mich mal wieder ans Rheinufer spült. – Ob kürzer oder länger. Da lasse ich mich gern überraschen.

Bis bald, Köln! Ich komme wieder. Bestimmt. Irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist. – Denn jetzt bin ich sicher: Diese Liebe zerbricht nicht. Sie bleibt und wartet geduldig. Solange ich in Karlsruhe wohne.

Lieblingsplätze in Köln:

Aachener Weiher

Der einfache Park im Herzen der Stadt, wo im Sommer die ganze Wiese mit grillenden Menschen übersät ist, ist einfach unfassbar schön. Der erweiterte Garten, für alle, die sich keinen leisten können.

Rheinstrand Rodenkirchen

Einfach aufs Fahrrad und immer am Rhein entlang Richtung Rodenkirchen fahren: Am Schokoladenmuseum vorbei immer weiter bis es am Rhein auf einmal einen richtigen Strand gibt. Hier fühlst du dich im Sommer wie am Meer in Italien. Im Rhein kannst du dich zwischendurch erfrischen und meistens kommt ein Eiswagen vorbei. Besser als ein Wochenendtrip

Schnitzel bei Oma Kleinmann

Ich liebe ursprüngliche, einfache Orte, bei denen du weisst was du hast. Bei Oma Kleinmann gibt es seit Jahren die gleichen Schnitzelgerichte. Du bekommst immer so viel zu essen, dass du dir das halbe Schnitzel einpacken lassen kannst und dazu nette, kölsche, derbe Bedienung. Ich war dieses Wochenende nach Jahren nochmal da und kannte noch die ganze Belegschaft.

Flohmarkt “Alte Feuerwache”

Meine liebste Beschäftigung sonntags nach langen Partyabenden: Mit dem Rad zur alten Feuerwache und über den Flohmarkt schlendern. Die frische Luft und die vielen Eindrücke helfen dabei, den Kater zu vertreiben und wieder zu sich selbst zu finden. Es ist einer dieser heilsamen Orte, wo die Welt perfekt erscheint. Und nebenbei findet man da wirklich geile Sachen.

Party Radio Sabor – Club Bahnhof Ehrenfeld

Mach den Reggaeton lauter, dann hab ich auch was zu feiern! Ich liebe Latino-Musik, ich kann mir nicht helfen. Zum Glück gibt es in Köln so viele Menschen, die Regionalwissenschaften Lateinamerika studieren, dass dabei eine gute Partyreihe rausgesprungen ist: „Radio Sabor“ – Latino-Musik die ganze Nacht lang. Muss man halt mögen.

Mäuerchen an der Zülpicher und Brüssler Platz

Zwei Orte, wo sich seit Jahren abends Menschen zusammenfinden und ihr Kioskbier genießen. Einfach so. Mehr ist es nicht, aber wertvoll: Für den Start in eine lange Sommernacht, für die Suche nach bekannten oder neuen Gefährten.

 

Erfahrungsbericht: Ein Wochenende Wellness im Odenwald

Nimmst du Handtücher mit?“ – „Ne, oder? Wir gehen doch ins Hotel.“ Ich habe nicht viel Erfahrung mit Hotels. In meiner Kindheit waren wir meistens campen – oft auch wild in der Natur in Griechenland, weil das damals noch erlaubt war. Ich habe zwar wenig Erfahrung mit Hotels, sie haben mich aber schon immer neugierig gemacht. Deshalb musste ich unbedingt ein Wellness-Wochenende ausprobieren.

Als eine Freundin und ich ein Wochenende entspannt wegfahren wollten, sind wir beim Suchen im Netz auf das Natur Kultur Hotel Stumpf gestoßen. Und es machte den Eindruck von: Handtücher muss man keine mitbringen. Nur sich selbst, mindestens zwei Bücher und den guten Willen runterzukommen.

Auf den ersten Blick wirken Hotels auf mich immer etwas steril und ungemütlich. Aber die Vorstellung, dass wir uns ein ganzes Wochenende um nichts kümmern müssen außer darum möglichst gut zu entspannen, das klang genial und darauf hatte ich Bock. Als ich dann abends nach der Arbeit im Hotel angekommen bin, dachte ich aber erstmal: Wo bin ich denn hier gelandet? Freitagabend, 22:30 und niemand sitzt mehr in der Bar? Verstörend. Weil ich lange arbeiten musste, haben aber netterweise die Leute an der Rezeption noch extra auf mich gewartet und – wie ich dann erfahren habe – ihren Feierabend extra nach hinten verschoben und mich freundlich begrüßt.

Ein Wochenende Wellness

Nach einer ruhigen Nacht stürzen wir uns am Samstagmorgen auf das Frühstücksbuffet. Ein bisschen Freizeitstress kommt dann doch leicht auf, wenn es „nur“ bis 10:00 Frühstück gibt. Diese fixen Zeiten in den Hotels haben mich schon immer abgeschreckt, aber ein Wochenende lang kann ich mich darauf einlassen. Am Tisch eine große Kanne Kaffee – extra für uns und dann probieren wir uns dann durch die Auswahl am Buffet: Brötchen, Rührei, Speck, Birchermüsli. Klar: Nach dem zweiten Gang sind wir satt, obwohl der Bock noch für mehr gereicht hätte. Aber es ist gar keine Zeit darüber zu lange nachzudenken. Wir müssen gleich weiter zu unserem Wellnes-Paket.

Also ziehen wir uns im Zimmer die Bademäntel, die vom Haus gestellt werden, an und los: Zuerst bekommen wir eine Seifenbürstenmassage: Dazu legst du dich auf eine Art Wanne und wirst komplett mit einem Bürstenhandschuh mit Seife abgerieben. Das ist ganz angenehm, denn du hast das Gefühl, dass endlich mal alle überflüssigen Hautschuppen abfallen.

Danach gibt es für uns noch eine Öl-Ganzkörpermassage. Ich liebe Massagen! Auf Bali haben wir uns gefühlt durch das komplette Massageangebot von Kuta gewühlt und gemerkt, dass es große Unterschiede gibt. Meine letzte Massage vor dem Wellnesswochenende habe ich allerdings von einer Asiatin hier in Karlsruhe bekommen, die so fest zugreifen konnte, dass selbst meine Verspannungen sich gelöst haben. Das ist eine Kunst! Damit will ich sagen: Was Massagen angeht, bin ich anspruchsvoll. Im Wellnesshotel hatte ich extra mit der Mitarbeiterin vereinbart, dass ich mir eine möglichst starke Massage wünsche.

Wellness

Diese Massage war gut und solide. Ich war hinterher entspannter als vorher, aber sie hat in mir nicht diesen „Wow-Effekt“ ausgelöst. Trotzdem: Wenn jemand so eine ganze Stunde dafür sorgt, dass du runterkommst, dann finde ich das sehr genial. Danach verbringen wir den Nachmittag im Wellness-Bereich: Wasser – Dampfbad – Dusche – Lesen – Schlafen – Whirlpool… und wieder von vorne. Endlich schaffe ich es wieder eins der Bücher der großartigen Isabel Allende zu lesen. Dazu komme ich im Alltag einfach viel zu selten.

Am Abend werfen wir uns dann doch einmal in Straßenklamotten, um uns beim Vier-Gänge-Menu nicht zu blamieren. Im Restaurant war unser Platz schon mit einem Kärtchen reserviert, an den anderen Tischen einige ältere Paare, die aussehen, als wäre das ihr romantisches Highlight im Jahr. Dann geht es los: Als erstes gibt es eine kleine Portion Tomate, Mozzarella. Der Käse ist so fein geschnitten, wie ich es zu Hause nie hinbekomme.

Essen

Danach kommt eine fantastische Suppe und dann der Hauptgang: Wir können auswählen und ich als alter Fisch-Fan entscheide mich natürlich für den Lachs. Dazu gibt es fein drappiert Couscous und grünen Spargel. Als ich denke, dass es nicht besser werden kann, kommt der Nachtisch: Ingwer-Creme-Brulée. Wow. Ich liebe ausgefallene Küche und das begeistert mich wirklich. Dazu trinken wir Sekt und Wein und hinterher schlafen wir wie zwei be-wellnesste müde Kinder. Tief und fest.

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Der Hauptgang: Lachs, Spargel und Couscous

Der Sonntag startet sogar noch entspannter als der Samstag, weil es da traditionell in dem Hotel Brunch bis 12:00 gibt. Mit kalten und warmen Speisen und allem, was einem einfallen könnte: Von Tiramisu, über Müsli bis hin zu Spätzle, Weißwürsten und einem Mitarbeiter, der einem sein Rührei extra so zaubert, wie man es gerne möchte – toller Service und lecker.

Nach dem Brunch legen wir uns wieder in die Wellness-Oase und stehen nur auf, um uns im Pool abzukühlen oder in die Sauna zu gehen. Und zwischendrin tun wir ganz viel nichts. Ich kenne keine Langeweile und einfach mal nichts machen können, ist ein großartig.

So ein Wochenende ist ein Geschenk

Das Wochenende war wirklich besonders, ein kleines Geschenk für mich selbst – vor allem, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Ich war hinterher ruhig und entspannt. – Und gerade in solchen entspannten Momenten, wenn ich gute Gespräche mit einer Freundin führen kann, komme ich auf viele neue Ideen und es tun sich andere Wege auf. Das ist erfrischend für das eigene Leben und in gewisser Weise ist es wie ein Mini-Urlaub, in dem man mal kurz innehalten und die Perspektive wechseln kann. Läuft gerade alles so, wie es soll? Was wünsche ich mir eigentlich? Was könnte anders laufen und an welchen Stellschrauben muss ich drehen, damit ich dahin komme?

Das war ein tolles Wochenende im Hotel – ich glaube aber im Grunde kann man genauso runterkommen, wenn man ein Wochenende in der Natur zeltet. Wichtig ist nur: Nichts vornehmen, Ruhe passieren lassen und sein. Und schon ist alles gut.

Wir haben übrigens auch noch ein Wellness-Wochenende in Tschechien gemacht.

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Die Daten:

Natur Kultur Hotel Stumpf, Zeilweg 16, 74867 Neunkirchen

  • Vier Sterne
  • Wellnessbereich mit Pool, Sauna, Whirlpool und Dampfbad
  • Ruheraum
  • Hotel Stumpf
  • Wir haben ein Paket gebucht: Unser „Romantikwochenende“ hat 188 Euro pro Person gekostet. Darin enthalten: Zwei Übernachtungen, Frühstücksbuffet, 4-Gänge-Menu am Abend, Übernachtung im Doppelzimmer (Da ich Freitag so spät angereist bin, konnten wir das zweite Abendessen auf Sonntag verschieben.) Dazu haben wir ein Massagepaket gebucht.

Wir haben alles selbst bezahlt. Das war keine Einladung des Hotels oder eine ähnliche Kooperation.

Tipps: Meine Lieblingscafés in Berlin

Städtetrips klingen für mich schnell nach Stress und Sehenswürdigkeiten „abarbeiten“. Das ist überhaupt nicht mein Ding. Wenn ich reise und neue Ecken kennenlerne, setze ich mich immer wieder gern ins Café, denke über das Gesehene nach und trinke viel Kaffee. Hier habe ich euch meine Lieblingscafés in Berlin zusammengefasst.

Jeder einzelne Besuch in einem dieser Cafés ist für mich wie der Besuch einer Sehenswürdigkeit für viele andere – nur viel entspannter: Ich sitze da, genieße einen oder zwei Kaffee, schaue mir die Menschen an und träume vor mich hin. In diesen Momenten habe ich oft die besten Ideen: Cafés inspirieren mich.

Da sitze ich dann auf einem wackeligen Stuhl, zwischen Menschen – auf dem Tisch ein Latté, in der Hand die Zeitung. Manchmal mit Musik im Ohr, manchmal einfach so. – Gerne auch mal mit mir alleine, um nachzudenken. In Berlin treffe ich aber in den vielen zauberhaften Cafés vor allem gern meine Freunde, die dort leben – oder die, die gerade zufällig auch in der Hauptstadt sind. Das bedeutet für mich Urlaub: Zeit haben, um in Cafés zu sitzen und neue kennenzulernen.

 Die besten Cafés zum Frühstücken

 

Café Anna Blume – Prenzlauer Berg

Anna Blume ist kein Geheimtipp: Am Samstagmorgen bildet sich im Sommer eine Schlange um einen Platz draussen auf der Terrasse zu bekommen. Aber das Warten lohnt sich! Dieses Café ist berühmt für seine Frühstücksetageren und das zurecht: Dieses gemischte und wunderschön angerichtete Frühstück gibt es für zwei oder vier Personen und da ist wirklich alles dabei: Käse, Wurst, verschiedene Pasten, Obst, getrocknete Tomaten, Oliven und Ei. Das perfekte Frühstück, wenn man sich dafür Zeit nimmt. Allerdings ist der Kaffee hier eher durchschnittlich.

Kollwitzstraße 83, 10435 Berlin

Café
Etagere

Factory Girl – Mitte

Von außen fallen schon beim Blick durchs Fenster die schönen alten, zusammengewürfelten Möbel auf: Es gibt hier kleine Tische um mit der besten Freundin zu sitzen und einen großen Tisch, der auch als „Gossip Table“ bezeichnet wird. Hier kannst du dich mit anderen Menschen zusammenfinden. Hier gibt es geniale Ei-Variationen zum Frühstück und das – wie es sich gehört – den ganzen Tag lang. Mir hat das Rührei mit Tomate und Rucola besonders gut geschmeckt.

Factory Girl: Auguststraße 29, 10119 Berlin

Café

Keyser Soze – Mitte

Ein helles Café an einer Ecke in Mitte. Hier haben wir mehrere Stunden gefrühstückt und uns durch die Speisekarte probiert. Es gibt verschiedenste Variationen mit Pfannkuchen, Rühreiern mit Speck oder Lachs und klassische Frühstückskombinationen. Leider gibt es hier keinen Barista-Kaffee. Frühstück gibt’s dafür aber bis 18:00.

Café
Unsere Ausbeute im Keyser Soze

Tucholskystraße 33 / Ecke Auguststraße
10117 Berlin-Mitte

Nah am Wasser gebaut – Neukölln

 

Direkt am Kanal am Kiehlufer befindet sich dieses liebevoll eingerichtete Café. Hier gibt es sogar eine Schaukel, auf der man seinen Kaffee genießen kann! – Außerdem viel massives Holz, bunte Fenster und ein Klavier. Hier habe ich den grünen Smoothie probiert, der frisch zubereitet wurde und fantastisch geschmeckt hat. Es gibt aber auch eine große Frühstückskarte.

Kiehlufer 55, 12059 Berlin

 

 

Caffeggiando – Neukölln

Ein typisch italienisches Café mit bestem Cappuchino. Hierher kommen viele Italiener und trinken ihren Espresso – auch das macht die besondere Stimmung aus. Das Café selbst ist klein, besonders gut sind die Plätze draussen mit Blick auf die vorbeilaufenden Menschen. Zum Frühstück gibt es hier unter anderem leckere Bagels mit Lachs. Und das Preis-Leistungsverhältnis ist super.

Anzengruberstraße 19, 12043 Berlin

Hier kann man nachmittags Cafépause machen

Godshot – Prenzlauer Berg

Der Café im „Godshot“ ist ein Gedicht! Eigentlich ist der Laden eher klein und unauffällig, mit orangen Stühlen vor der Tür – aber diese Latté-Kreation im Barista-Style kann sich sehen und schmecken lassen. Mein absoluter Lieblingskaffee bisher in Berlin. Hier kann man auch einen Barista-Kurs machen. Das steht auf jeden Fall noch auf meiner „To do-Liste“. Hier noch die Info von der Internetseite dazu, warum der Laden „Godshot“ heisst. Es geht um den perfekten Espresso: Wenn unter besten Voraussetzungen alle Faktoren optimal zusammen wirken und den perfekten Geschmack ergeben, so spricht der Barista von einem Godshot.“

Immanuelkirchstraße 32, 10405 Berlin

Café

Bonanza Coffee Heroes – Prenzlauer Berg

Vor oder nach einem Besuch im Mauerpark bietet sich eine Pause bei den „Bonanza Coffee Heroes“ an. Es ist ein typisches Berliner Hipstercafé: An der Theke steht meistens ein Typ mit Schnurrbart, der Innenraum ist archaisch und gleichzeitig modern im industrial Style eingerichtet und draussen stehen breite Bänke. Ich mag diesen Style sehr und der Kaffee ist wirklich fantastisch: Hier gibt es Latté im Barista-Style, wie ich ihn liebe. Besonders günstig ist dieses Café allerdings nicht.

Café
Barista

Oderberger Str. 35, 10435 Berlin

Ostfee – Prenzlauerberg

Schönes Ambiente mit alten Möbeln und Sesseln. Man kann nah am Fenster sitzen und beim Blick auf die ruhige Straße Kaffee und vor allem Waffeln genießen. Die sind sehr lecker dort.

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Oderberger Str. 39, 10435 Berlin

Cozys – Friedrichshain

Hier kommst du dir auch vor wie in Stylish-hausen. Sehr geschmackvoll eingerichtet ist dieses Café: Die Steinwand ist weiß gestrichen und man sitzt an massiven Holztischen, auf einfachen Stühlen. – Leider keine Sessel, aber es gibt ein Sofa. Der Kaffee schmeckt hier wirklich ausgezeichnet und ich empfehle jedem den Crumble: Streusel, Apfel und Rhabarber – ein Gedicht. Auch hier gibt es Superfood-Smoothies. Ich habe den Eindruck danach sind noch immer alle verrückt in Berlin. An der Theke steht immer frisches Wasser für zwischendurch.

Kaffee
Kaffee plus Crumble gleich Foodheaven

Gabriel-Max-Str. 15a, 10245 Berlin

Ein Sonntag im Mai in Karlsruhe: Alter Schlachthof

Der Sonntag hat sich schön gemacht: Die Sonne scheint, es ist 26 Grad warm und wir sausen in kurzer Hose auf dem Rad quer durch Karlsruhe. – Zum “Alten Schlachthof”, denn da ist Tag der offenen Tür.

Die Haare fliegen, das Leben fühlt sich leicht an. Es ist der erste Tag in diesem Jahr, an dem ich die Wärme so wahrnehme. Ich grinse mit mir selbst um die Wette, strahle jeden an, der mir auf dem Rad entgegenkommt und will damit sagen: ” Ist dieser Tag nicht perfekt? Sollte es nicht immer genau so sein?” Natürlich nicht, denn dann wäre es nichts besonderes mehr. Aber an Tagen wie diesen kann ich mich in meiner Stadt, zu Hause wie im Urlaub fühlen. Es ist ja auch eine Art Mini-Urlaub. Es ist das erste freie Wochenende seit langen. Das macht diesen Moment zum Glück zum Quadrat. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo ich gerade lieber wäre. Das alte graue Fahrrad fährt noch – es hat immerhin drei Gänge. Der Wind lässt die Beine spüren, was sie so lange vermisst haben: Freiheit und Luft.  Über den Winter hatte ich ganz vergessen, wieviel besser es sich in kurzer Hose lebt.

Ausflug: Alter Schlachthof

Wir machen einen Ausflug und landen am “Alten Schlachthof” in Karlsruhe, denn da ist heute Tag der offenen Tür. Die Büro-Gemeinschaften, Cafés und Clubs haben alle geöffnet, um uns zu zeigen was sie normalerweise arbeiten. Ich war bisher noch nie in der Gegend und fühle mich auf dem alten Gelände wie in Fancy-Hausen. Lauter alte Schlachthof-Gebäude, die umgebaut worden sind zu Orten, wo Menschen jeden Tag arbeiten. In der alten Hackerei zum Beispiel erinnern die Kacheln an der Wand noch daran, was da früher einmal gemacht worden ist. Heute finden hier Partys und kleine Konzerte statt. In manchen Gebäuden ist die Essenz der Architektur erhalten geblieben und daneben sind neue Elemente eingezogen worden, damit da Menschen kreativ werden und arbeiten können. – In Containern zum Beispiel.

Alter Schlachthof

Auch ein Autor von Surfbüchern hat in einem solchen Gebäude zum Beispiel seinen Schreibtisch stehen und tippt seine Texte, wenn er nicht gerade an der Algarve surfen ist. Ich bin begeistert auf wieviele tolle Ideen Menschen kommen, um alte Räume mit Geschichte so zu modernisieren, dass der Charakter erkennbar bleibt und trotzdem wirkt auf einmal alles urban und modern.

Die Zeit rennt, wir sind stundenlang über das Gelände flaniert, haben Unmengen Kaffee, Eis, Pommes und andere Schweinereien genossen und dann, als es vorbei hätte sein können, haben wir uns in ein Café gesetzt. Einfach so. Wir saßen in der Sonne, bis es spät war. Und es war perfekt. Das war einer dieser Momente, wo das Glück kurz greifbar war.

Heute habe ich Karlsruhe von einer neuen Seite kennengelernt. Dafür bin ich dankbar. Die Schönheit in den Dingen, die so naheliegend sind, beeindruckt mich besonders.

Foto: Raphael Pi Permantier

Karlsruhe – Baden-Baden: Von der Sonne wachgeküsst

Als ich morgens, gegen 6:20 das Haus verlasse, wird es langsam hell und die Straßenlaternen gehen aus. Vögel zwitschern und es riecht nach Pflanzen und Bäumen: Frisch, süß und hoffnungsvoll. Dieser verheißungsvolle Frühlingsduft, der verspricht: Heute könnte es zauberhaft werden. Der Tag liegt noch vor dir. Mach was draus. Und schon geht es los: Sonnenaufgang. 

Noch ist es kühl, im Auto läuft das Radio und auf der Autobahn rollen die LKW fleißig hintereinander her.

Auf einmal trifft mich die Mörgenröte unverhofft von der Seite. Erst rosa, dann orange und so kraftvoll, wie es kein Smartphonefilter hinbekommen könnte. Die Sonne klettert am Horizont in die Höhe. Sie strahlt mit sich selbst um die Wette, ist greller und schöner als ich sie in Erinnerung habe. Sie flirtet mit mir – ich habe dieses Kribbeln im Bauch.

Ein Sonnenaufgang macht Kribbeln im Bauch

Sie lacht mich an und ich habe das Gefühl, dass dieser Moment nur uns gehört: Der Sonne und mir. Mein Gesicht wird warm und hell. Und ich lächle vor mich hin. Irgendwo zwischen Karlsruhe und Baden-Baden.

Auf einmal läuft im Radio „Don’t stop me now“ von Queen und alles fügt sich zusammen. Ich habe das Gefühl, ich muss platzen vor Glück. Das Auto fliegt mit mir über die Autobahn. Ich habe Rückenwind, vergesse die Zeit und könnte ewig weiterfahren. – Immer neben der aufgehenden Sonne her. Was für ein perfekter Moment. Am liebsten würde ich ihn festhalten, einfrieren, einschließen. Das ist für mich die Definition von Frühlingsgefühlen.

Das ist der erste richtige Frühlingsmorgen im Jahr 2016, am 21. April. Heute kann mir nichts passieren. Ich wurde von der Sonne wachgeküsst. Vielen Dank Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang

P.S. Leider gibt es von dieser kleinen Affaire keine Bilder. – Ich saß ja im Auto. Falls ihr für die Stimmung trotzdem einen Sonnenaufgang sehen wollt: Der hier ist auch aus Karlsruhe. Vom Turmberg aus.

 

Snowboarden im Kleinwalsertal

Sonne oder Schnee oder doch lieber Sonne? Am besten beides und zwar abwechselnd, möglichst häufig und im besten Fall auch mal gleichzeitig! Snowboarden gehe ich besonders gerne im Kleinwalsertal. Hier habe ich einen Erfahrungsbericht für euch.

Das Gute am Leben in Karlsruhe: Es ist nie weit bis in die Berge – und das nutzen wir solange wir hier wohnen. Es ging für 6 Tage ins Kleinwalsertal, dahin wo Österreich gerade beginnt. Im Video seht ihr was das Kleinwalsertal ausmacht.

Übrigens: Snowboarden muss gar nicht so teuer sein. Über Airbnb oder Booking kann man viele Ferienwohnungen finden, die relativ günstig sind. Das Gute: Dann kann man selbst kochen und gibt nicht immer Kohle beim Essen auf der Hütte aus. Nur auf den Skipass muss man sparen, denn der ist einfach immer teuer. In vielen Skigebieten kann man allerdings dann auch ohne Aufpreis den Bus nutzen. Das ist sehr praktisch.

Aachen: Das Heimkehr-Gefühl

Heimat. Kein Geländer wackelt so sehr wie das in meinem Elternhaus. In dem kleinen 50er Jahre Reihenhaus, wo ich aufgewachsen bin, steht noch immer die alte Treppe. Das alte Geländer daneben ist so instabil, dass ich mich aus Gewohnheit nie daran festhalte. Würde ja eh nichts nützen. Das wackelnde Geländer ist eine Daheim-Konstante. Das war schon immer so. Zumindest denke ich das. Auf genau diese Treppe setze ich mich besonders gern, wenn ich ein paar Erinnerungen zusammenkratzen und nochmal im Kopf durchleben will. Es gab Zeiten da war ich nicht so gern zu Hause. Aber seit ich weit weg gezogen bin und in Karlsruhe wohne, genieße ich jeden Heimatbesuch noch mehr.

Aachen

Dinge, die man nur in Aachen sagt: “Och herm”

Aachen. Das Nest, das ich früher so häufig verflucht habe, wenn ich den letzten Bus um 23:30 nach Hause genommen habe – danach fuhr nämlich keiner mehr. Und die Burtscheider Brücke in der Nacht rauflaufen – dazu hatte ich selten Bock.

Aachen. Die Stadt, wo wir im Sommer auf dem Marktplatz gesessen und Bier vom Kiosk getrunken haben. Angeblich hat meine Mama das damals einst auch schon gemacht.

Die Stadt, mit dem ordinärsten und doch charmanten Dialekt, der uns erlaubt ganz laut „och herm“ zu brüllen, wenn wir das Gefühl haben jemanden bemitleiden zu müssen. Großartig bescheuert.

Aachen

Die Zeit als ich kreuz und quer durch die Stadt mit der Aseag und meinem „School & Fun – Ticket“ gefahren bin, ist lange vorbei. – Die Busse fahren ja auch unfassbar selten. Jetzt laufe ich meistens aus Burtscheid über die Burtscheider Brücke in die Innenstadt und ich bin wirklich jedes Mal wieder überwältigt von der zauberhaften Aachener Altstadt. Die Aussicht bis rüber zum Lousberg: Inmitten der uralte, malerische Dom und drum herum die vielen alten Häuser. Dagegen ist Karlsruhe mit seinen 300 Jährchen ein Teenager-Städtchen.

Wohliges Gefühl im Bauch

Jedes einzelne Mal, wenn ich über die alte Burtscheider Brücke in die Stadt laufe überkommt mich ein wohliges warmes Gefühl im Bauch. – Aachen kommt mir jedes Mal noch ein bisschen schöner vor. Meine Heimat. Klar, es gibt immer ein paar eigenwillige Gebäude – wer dachte eigentlich jemals, dass so etwas wie das Globus Center schön sein könnte? Naja. Aber taucht man dahinter in die Altstadt und flaniert durch die Körbergasse, am Hof vorbei zum Dom, dann ist es als wäre die Zeit stehen geblieben. Und genauso fühle ich mich dann. Unter den Füßen das alte Kopfsteinpflaster und im Kopf laufen Szenen ab, die früher in einer anderen Zeit hier und dort passiert sind. – Zum Teil mit Menschen die an einem vorüber gezogen sind und zum Teil mit anderen, die sich für immer einen Platz in meinem Herz erkämpft haben. Diese gewissen Freunde, die man manchmal ewig nicht sieht und wenn man sich wiedertrifft, hat sich nichts geändert. Es fühlt sich gut und richtig an.

Die Alstadt verändert sich nicht

Ich muss zugeben: Ich bin Aachen dankbar dafür, dass sich die Altstadt nicht verändert. Denn so kann ich mich immer genauso fühlen wie damals mit 15 als ich zum Bus gerannt bin, weil ich nur bis 22 Uhr draussen bleiben durfte. – Oder mit 19 als wir auf dem Katschhof unser Abi gefeiert haben. Die Kulisse bleibt – sie hilft mir die Erinnerungen einzufrieren und wieder kurz für einen Moment aufzutauen und mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. – Jedes Mal: In der Altstadt und auf der alten Treppe bei uns zu Hause.

P.S. Im Jahr 2017 haben wir in Aachen geheiratet. Im Rathaus – in meiner Heimat. Noch eine Erinnerung mehr, die mich für immer mit der Stadt verbindet.