Costigliole d’Asti: In den Weinbergen von Piemont in Italien

An den Stränden Italiens ist es wunderschön. – Aber im Hochsommer einfach zu voll für meinen Geschmack. In diesem Jahr probieren wir etwas Neues aus und fahren nach unserer Woche in Pettenasco in die Weinberge Norditaliens: nach Piemont. Eine Woche verbringen wir in Costigliole d’Asti und verbinden Urlaub mit Arbeit: In einem Airbnb mit großer schattiger Terrasse.

Die Straßen werden schmaler und mein Puls steigt. „Hoffentlich kommt uns hinter der nächsten Ecke kein LKW entgegen und hoffentlich kommen wir bald an. Und hoffentlich…“ die Gedanken drehen sich im Kreis. Um uns herum wird es immer grüner. Das Auto klettert die Hügel hinauf und lässt Weinberge links und rechts liegen. Hier war ich noch nie: In den Weinbergen von Piemont in Norditalien. Wir kommen an einer Villa vorbei und ein paar Meter später erreichen wir das Ziel: Unsere Unterkunft mitten im Grünen.

Costigliole Piemont Italien

Alba Norditalien Piemont

Die Unterkunft: Das Airbnb „La Luna e lo Stagno”

Über Airbnb habe ich das Zimmer bei Owen und seinem Mann Claudio gefunden. Es befindet sich im ersten Stock von einem alten Bauernhaus auf einem Hügel in Piemont. Der Teil des Hauses in dem wir wohnen steht hier wohl schon seit 1860. Die beiden haben das Haus renoviert und mit Liebe zum Detail eingerichtet. Das ist mir schon vorher auf den Bildern im Netz aufgefallen. In Realität ist es noch viel schöner!

Kühle Fliesen, helle Vorhänge: Grau, braun, beige – alles in angenehm-erdigen Farben. Es gibt ein helles Badezimmer mit Blick auf den Weinberg, einen kleinen Schreibtisch und ein ganzes Ankleidezimmer. Das Bett ist total weich und gemütlich – man merkt, dass hier der Amerikaner Owen am Werk war. Und gleich neben unserer Unterkunft ist die schattige Terrasse: Früher war das mal ein Raum. Aber die Hosts haben ein offenes Wohn- und Esszimmer mit Küchenecke daraus gemacht und der Blick auf die Berge ist frei. Wunderschön!

Airbnb Piemont Asti
Unser Zimmer

Übrigens: Owen und sein Mann vermieten noch ein zweites Zimmer in dem Haus, das auch wunderschön ist. Darin steht sogar noch ein Bett mehr. Es gibt allerings keinen Schreibtisch.

Raphael schreibt diesen Sommer seine Abschlussarbeit und ich werde an meinen Hochzeitsreden arbeiten. Deshalb haben wir diese Unterkunft gewählt. Unsere Kriterien waren: Schatten, Platz, ein gemütliches Bett und Internet. Hier gibt es dazu sogar noch Frühstück inklusive. Und on top: Nette Gastgeber und einen supersüßen Hund!

Costigliole d'Asti

Der Blick kann in die Ferne streifen

Der Blick von der schattigen Terrasse reicht über den Garten mit kleinem Pool bis zum nächsten Dorf: Costigliole d’Asti. Unser Gastgeber erklärt uns den schnellsten Weg zu Fuß ins Dorf. Es gibt eine „Abkürzung“ – einen „Short Cut“, der seinem Namen alle Ehre macht, denn er führt quer durch Pflanzen und Gestrüpp. Für einen kurzen Moment habe ich Angst, dass wir uns verlaufen haben. Aber dann erreichen wir eine befestigte Straße und das malerische Dorf erhebt sich vor uns.

Costigliole d'Asti
Frühstück auf der Terrasse

Arbeiten im Airbnb in Piemont

Stundenlang frühstücken wir und lassen den Blick über die verschiedenen Grün-Töne auf den Hügeln streifen. Wie kleine orange-rote Tupfer sehen die Häuser in den Weinbergen aus. Es gibt Espresso, frische Früchte, Müsli und Joghurt. Und dazu Käse, Wurst und Brot. Mir fehlt es an nichts. Einziges Manko: Wir kommen erst spät an die Arbeit. Das Frühstück macht einfach zu viel Spaß.

Gegen Mittag setzen wir uns mit den Laptops an den großem Tisch auf der Terrasse. Es heißt doch immer wieder, dass man bei der Arbeit am PC Pausen machen soll, um den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Um uns herum streift der kühle Wind.

Produktiv durch die Aussicht

Arbeiten geht hier wirklich ganz ausgezeichnet. Aber vermutlich werden die Pausen hier etwas länger als sonst. Aber die Umgebung motiviert mich. Ich bin positiv überrascht.

Die Reden schreiben sich fast wie von selbst. Ich tauche ein in die Liebesgeschichten meiner Paare und freue mich mit ihnen, dass sie nun heiraten werden. Hin und wieder fließt eine Freudenträne. Diese Geschichten sind aber auch einfach inspirierend.

Hinterher schreibe ich für den Blog, editiere Fotos und freue mich, dass die Aussicht mich immer wieder belohnt.

In der Mittagspause kühlen wir uns im Pool ab. Er ist klein und trotzdem groß genug für eine Erfrischung auf dem aufblasbaren Donut.

Asti Piemont

Und sobald abends die Mücken kommen, ist es Zeit für den Feierabend und Aperol. Ich könnte immer von Italien aus arbeiten. Das Licht wird wärmer, die Burg im Dorf wirft Schatten und die Farbe der Abendsonne hüllt die Weinberge in einen unwirklichen Zauber. Darf ich bitte hier bleiben?

Costigliole d'Asti Piemont Italien Weinberge

Das Dorf: Costigliole d’Asti

Ein kleiner Haufen Häuser – eingekuschelt in kleine Hügel. In der Mitte ein Kirchturm und eine Burg, die an frühere Zeiten erinnert. 6.000 Menschen leben hier in dem Dorf in den Weinbergen Piemonts zwischen Asti und Alba.

Die befestigte Burg in Costigliole wurde zum ersten Mal im Jahr 1.041 erwähnt. Drum herum stehen inzwischen viele kleine und größere Gebäude. Und in der Region leben viele Weinbauern.

Asti cafe italia

Im Ortskern gibt es eine gemütliche Konditorei mit angeschlossenem Café und einen kleinen Supermarkt, in dem jeder jeden kennt. Als wir dort einkaufen, fallen wir sofort auf wie bunte Hunde. Und als eine Kundin mehr Wurst einkaufen will als gerade vorrätig ist, wird schnell neue beim Metzger bestellt. Und nur 5 Minuten später ist sie im Laden. Wow!

Costigliole ist ruhig und verschlafen. Automatisch werden die Schritte langsamer, wenn man dort rumläuft. In 30 Minuten hat man hier allerdings auch alles gesehen. Mich stört das nicht solange ich in der Konditorei guten Kaffee und Kuchen bekomme. Mehr brauche ich nicht. Diese Ruhe und die entspannte Stimmung in Piemont ist ansteckend.

Costigliole d'Asti

Weinprobe bei Paola Massa

Unser Host Owen organisiert eine Weinprobe für uns bei Paola Massa. „She is the best and she has the best wines,“ schwärmt er immer wieder und trägt uns auf, ihm zwei Kisten Weißwein mitzubringen. Er ist eindeutig Fan.

Wir haben null Erfahrung mit Weinproben und sind gespannt. Nach einem gemütlichen Zwischenstopp im schönen Alba sitzen wir mit ca. zehn anderen Gästen bei Paola im Haus und probieren uns durch ihr Sortiment. Dazu tischt sie uns unendlich viele leckere Kleinigkeiten auf: Salami, Schinken, Käse, Nüsse, Omelette, Foccacia. Unfassbar lecker. Wir wissen gar nicht wie uns geschieht.

Zuerst genießen wir einen Schluck von ihrem Weißwein: Ich bin kein Weinkenner, aber ich trinke gerne mal ein Gleis Wein und finde: ihr Arneis schmeckt ausgezeichnet.

Wine Tasting Wineprobe Paola Massa

Keine Weinkenner – alle Fan

Ehe wir uns versehen bekommen wir Rosé eingeschenkt. Er ist fruchtig, frisch und gleichzeitig nicht zu süß. „Den nehmen wir“, rufe ich bei fast jedem Wein in den Raum und merke, dass es langsam teuer wird. Darauf erstmal Salami. Und Schinken. Und Wasser.

Beim Rotwein wird es langsam kompliziert. Der erste „Dolcetto“ war uns eindeutig zu süß. Aber dann geht es erst richtig los. Wir trinken den „Barbera d’Alba“ und alle im Raum sind gemeinsam begeistert von diesem Rotwein.

Leider war es das noch nicht. Paola erklärt, dass es noch einige „hochwertigere“ Weine gibt. Und schenkt schon den „Nebbiolo“ aus. Wow. Schon wieder eine Geschmacksexplosion. Der ist wirklich NOCH besser. – Irgendwie schmeckt er etwas satter.

Der Belgier vor Kopf versucht es so zu erklären: „Der Barbera ist wie die 20-jährige Frau. Schön und keck. Der Nebbiolo dagegen ist wie die 40-jährige Donna. Gereift, noch schöner und leckerer.“ Kann man darüber denken, was man will. Ich weiß worauf er hinaus will. Und da ist was dran. Wir kaufen eine Kiste von beiden. Mir war gar nicht klar, dass die Weine in Piemont so ausgezeichnet schmecken.

Um uns herum sitzen Gäste aus Belgien, aus den USA, aus Kanada, England und Österreich. Wir werden an diesem Abend zu einer kleinen Familie. Vereint durch die neu entdeckte Liebe zu Paolas Weinen.

Am Ende des Abends ist es als würden wir uns schon ewig kennen. Mit 4 Kisten Wein bepackt verlassen wir den Hof und sind uns einig, das beste Andenken an den Italienurlaub ergattert zu haben.

Und bei Paola waren wir sicher auch nicht zum letzten Mal.

Weinprobe Paola Massa

Piemont
Durch durch die Dörfer in den Weinbergen

Dörfer in den Weinbergen: Neive und La Morra

In der Region gibt es einige kleine Dörfer, die man nachmittags besichtigen kann. Wir haben uns Neive und La Morra angeschaut. In jedem dieser Orte kann man flanieren, auf der Plaza sitzen und den Blick über die Weinhügel schweifen lassen. Und natürlich gibt es überall „Cantinas“, Weinproben und schicke Restaurants.

Besonders gut haben mir allerdings die Weinberge selbst in Piemont gefallen. This is where the magic happens.

Weinberge Piemont La Morra

Wineyards Winberge Weinberg Piemont Italien

Fotos: Raphael & Athene Pi Permantier

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